Rhapsody - 2018-03-01 - Bochum, Zeche

The 20th Anniversary Reunion Farewell Tour

 

Support: Scarlet Aurora, Beast In Black

 

In 2017, zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung des Rhapsody-Debuts Legendary Tales, fanden
sich Fabio Lione, Luca Turilli, Dominique Leurquin, Patrice Guers und Alex Holzwarth noch
einmal für die „20th Anniversary Reunion Farewell Tour“ zusammen.
Nachdem im vergangenen Jahr bereits europäische Festivalbesucher, etwa auf dem Sweden Rock
oder dem Graspop, in den Genuss der Reunion gekommen sind, führt die Jubiläumstour die
Italiener im Frühjahr 2018 wieder auf eine ausgedehnte Europareise - dieses Mal stehen auch
zahlreiche deutsche Clubs auf dem Programm. Der Support für diese Europatour kommt von den
finnischen Newcomern Beast In Black und Scarlet Aura aus Rumänien. Auch ein Stopp im
Ruhrgebiet durfte bei diesem Line-Up natürlich nicht fehlen.
Bei eisigen Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt warteten bei meiner Ankunft bereits
einige hartgesottene Fans vor der Bochumer Zeche; Andere wiederum überbrückten die Wartezeit
im Innenraum ihrer PKWs.

Zu meiner Verwunderung ging das Licht bereits um 19:30 für den ersten Opener aus - die Show
begann damit eine volle halbe Stunde früher als vom Veranstalter angegeben. Das Ganze dürfte
ziemlich ärgerlich für all jene gewesen sein, die erst zum Ende des Sets von Scarlet Aura in der
Zeche eintrafen. Glücklicherweise schienen die meisten Besucher aber schon den Weg in den
Innenraum gefunden zu haben als Sängerin Aura Danciulescu in einem Engelskostüm die Bühne betrat. Die vierköpfige Formation, die im Jahr 2014 in Bukarest gegründet wurde, war den meisten Besuchern vor dem Konzert wohl noch eher unbekannt, stellte für viele aber dann möglicherweise doch eine angenehme Überraschung dar. Positiv aufgefallen ist mir vor allem der Sound, der hier bei der ersten Band bereits sehr gut abgemischt war. Scarlet Aura legten dadurch bereits einen definierten und druckvollen Soundteppich auf die Bühne.
Das lag vor allem aber auch an den Playback-Samples, welche die Band einerseits für Rhythmusgitarrenspuren, andererseits aber hauptsächlich für Keyboard- und Synthesizer-Elemente
einsetzte. Diese Vorgehensweise ist in der heutigen Zeit natürlich nicht unüblich; dennoch der Purist
in mir wünscht sich bei derart ausgeprägter Präsenz der Instrumente immer noch einen zusätzlichen
Instrumentalisten auf der Bühne. Der musikalischen Qualität schadete das aber nicht. Vor allem Sängerin Aura Danciulescu konnte mit ihrer Performance von Beginn an überzeugen. Schon beim
ersten Song „Immortal In Your Eyes“ gelang es der charismatischen Frontfrau das Publikum zum
Mitmachen zu animieren. Mitsingen konnten nur wenige, trotzdem aber merkte man sowohl Band
als auch Besuchern an, dass beide Seiten Spaß am Auftritt der rumänischen Combo hatten.
Um die Stimmbänder der Besucher für die folgenden Acts aufzuwärmen, hatte sich die Band aber
doch noch etwas überlegt: Eine durchaus eindrucksvolle Coverversion des Cranberries-Klassikers
„Zombie“ - diese wurde dann doch, zumindest vereinzelt, enthusiastisch mitgesungen.
Nach einer knappen halben Stunde war das Set auch leider schon vorbei. Dennoch gelang es
Scarlet Aura mit Spielfreude und durchdachtem Songwriting auch in der Kürze der Zeit die
Anwesenden zu begeistern.

Nach kurzer Umbaupause ging es dann weiter mit einem Newcomer aus Helsinki.
Beast In Black nennt sich das neue Bandprojekt vom ehemaligen Battle Beast - Gitarristen Anton
Kabanen. Nachdem das Debut-Album  „Berserker“ im vergangen Herbst erschien, scheint sich die fünfköpfige Gruppe schon einen beachtlichen Hörerkreis erspielt zu haben, was in Bochum vor allem an den zahlreichen Bandshirts im Publikum erkennbar wurde . Der Eindruck wurde bestätigt, als die Band hochmotiviert die Bühne betrat. Die Songs der Finnen wurden von einigen Fans direkt lautstark mitgesungen und gefeiert. Bereits der Opener „Beast in Black“ gab die Marschrichtung der Band vor: Power Metal - unterlegt mit markanten, eingängigen Keyboard-Lines.
Zugegebenermaßen war ich im Bezug auf die Liveperformance im Vorfeld etwas skeptisch.
„Berserker“ klang für meine Ohren insgesamt doch etwas zu steril und das Songwriting erschien mir teilweise zu nah am Material von Battle Beast oder einfach zu klischeehaft - über subjektive Empfindungen darf man sich aber ja bekanntlich streiten. Vor allem bei Songs wie „Born Again“ oder „Crazy, Mad, Insane“ wirken die Keyboard-Elemente fast schon poppig, was einerseits den Ohrwurmfaktor steigern dürfte, aber anderseits die Meinungen über die Musik häufig auseinander
treiben könnte.
Der Auftritt in Bochum gefiel mir aber dann doch überraschend gut und mit dieser Meinung war ich auch scheinbar nicht allein. Vor allem der Sound wirkte deutlich dynamischer als auf der Platte.
Besonders die Gitarrenarbeit in Form von Leadparts und Soli kam Live wesentlich besser zur Geltung.. Auch Sänger Yannis Papadopoulos nahm ich an diesem Abend besonders positiv wahr.
Vor allem in den höheren Tonlagen zeigte der griechische Leadsänger der Band seine stimmlichen
Stärken. Genau wie die erste Band des Abends verzichteten auch Beast in Black auf einen Live-
Keyboarder und liessen entsprechende Tonspuren vom Band laufen. Ein gelungener Auftritt fand
nach etwa 45 Minuten dann ebenfalls ein recht schnelles Ende und Beast in Black verließen unter
Applaus die Bühne, um Platz für die Stagehands zu machen.

Gegen 21:30 Uhr wurde es dann wieder dunkel und das Intro „In Tenebris“ vom „Power Of The Dragenflame“-Album ertönte aus den Boxen - bevor Rhapsody dann selbst die Bühne einnahmen und mit „Dawn Of Victory“ gleich richtig loslegten. Durch den inflationären Einsatz der Nebelmaschine waren die Herren allerdings während der ersten Songs kaum auf der Bühne zu sehen.
Dabei brauchten sie sich wirklich nicht  verstecken, die Band wirkte hochmotiviert und hervorragend aufeinander eingespielt. Besonders Gitarrist Luca Turilli beeindruckte immer wieder mit seinen virtuosen Fähigkeiten und liess dabei das Gitarrenspielen so mühelos erscheinen. Eindrucksvoll war aber auch seine Energie auf der Bühne, denn hier war er deutlich aktiver als seine Bandkollegen.
Aber auch Frontmann Fabio Lione war an diesem Abend in herausragender Form. Die Stimme mit
dem markanten italienischen Akzent gibt der Musik von Rhapsody ihren einzigartigen Charakter
und zeigt auch nach über 20 Jahren kaum Schwächen.
Hervorzuheben war, wie schon bei den beiden Support-Bands, der sehr gut abgemischte Sound. Die
orchestralen Elemente, die für die Musik der Band prägend sind, kamen dadurch nochmal besonders gut zur Geltung. Die Setlist war voll mit Klassikern der Band wie „Power of the Dragonflame“ , „Knightrider of Doom“ oder „Holy Thunderforce“, die vom Publikum allesamt begeistert aufgenommen und mitgeträllert wurden. Drummer Alex Holzwarth und Bassist Patrice Guers bekamen dann jeweils auch noch einige Minuten Solozeit an ihren Instrumenten, die es den übrigen Bandmitgliedern hinter der Bühne erlaubte sich kurz von der energetischen Show zu erholen. Eine Version von „The Wizard’s Last Rhymes“, die die Band dem ihrem Freund und Mitinterpreten Christopher Lee widmete, durfte ebenfalls nicht fehlen. In diesem Zusammenhang nahm sich Sänger Lione auch die Zeit um einige Anekdoten über das Verhältnis der Band zu dem verstorbenen Schauspieler zum Besten zu geben. Insgesamt war der Frontmann an diesem Abend sehr kommunikativ und ging immer wieder zum Publikum, um einige Fans zum Mitsingen der Songs aufzufordern. Die Interaktion mit dem Publikum kam sehr gut an; auf ein Duett wollte sich
letztendlich aber dann doch niemand einlassen.

(Niklas Busch)