Raveneye - 2018-02-27 - Wien, Chelsea (A)

Haben RavenEye letztes Jahr Wien im Rahmen der Europatournee von Kiss als "Einheizer" in der Wiener Stadthalle heimgesucht, so war diesmal der Wiener Kultklub Chelsea an der Reihe! Und auch wenn RavenEye Tourneen als Vorband von Slash oder eben wie letztens Kiss von Herzen zu gönnen sind, denn die drei Jungs von der Insel haben‘s echt drauf, so sind ihre Clubkonzerte legendär und jedem, der auf ehrlichen und mit viel Leidenschaft dargebotenen Rock steht, wärmstens zu empfehlen.

Das Chelsea in Wien ist dafür bestens geeignet. Zentral gelegen befindet es sich in den sogenannten Stadtbahnbögen – und tatsächlich befindet es sich unter einer U-Bahn Linie. Platzmäßig ist man somit ein wenig eingeschränkt, das Schlagzeug wird zum Beispiel zumeist in der geräumigen Nische „hinter“ der Bühne untergebracht, aber das tut einem guten Konzert keinen Abbruch. Im Gegenteil, gerade diese gefühlte Enge macht diesen Club irgendwie auch aus, bedeutet Enge ja umgekehrt auch Nähe zum Publikum, und der Club ist daher bestens geeignet für gute Konzerte – ich zumindest wurde noch von keiner dort spielenden Band enttäuscht!

 

Mit unterwegs durch Europa tourte die österreichische Rockband Psycho Village! Das Trio rund um Daniel Kremsner absolvierte also quasi ein Heimspiel und das Chelsea war schon bei ihnen gut gefüllt. Und gerechtfertigt, denn die Besucher wurden beim etwa 30minütigen Set nicht enttäuscht. Flankiert von zwei Videoleinwänden boten sie ihre Version des Grunge/Rock/Hardrock an. Keine Ahnung, ob die Band das lesen will, aber mich erinnern sie mit ihrer Musik ein wenig an Silverchair ;-). Den Leuten vor der Bühne jedenfalls gefiel was die drei da auf der Bühne aufführten, und Sänger/Gitarrist Daniel zeigte, dass man nicht Hendrix oder eben Oli Brown heißen muss, um auf der Bühne springend und liegend auf der Gitarre abrocken zu können. Somit war Psycho Village ihr Anteil am Erfolg des Abends sicher!

RavenEye starteten dann gegen 22 Uhr ihren Auftritt , und zwar ganz klassisch mit ein wenig Clint Eastwood Westernmusik als Intro. Aber schon nach wenigen Sekunden wurde das Intro-Klischee „abgewürgt“ und Oli Brown (Gitarre, Lead Vocals), Adam Breeze (Schlagzeug) und Aaron Spiers (Bass, Backing Vocals) starteten mit dem Song "Hate" eine fulminante Club-Rockshow erster Güte. Keine Ahnung wie die drei Jungs das machen, aber sie brauchen keine Einspielphase, sind von der ersten Note an da und auch beim Publikum, geben also von der ersten Sekunde an richtig Gas und haben dementsprechend das Publikum die ganze Zeit über voll im Griff und auf ihrer Seite. Aber zugegeben, Songs wie „Breaking Out“, „Come With Me“ oder „Hey Hey Hey“ sind einfach Livekracher und gehen so richtig ab. Dabei ist die Band alles andere als statisch unterwegs. Da wird bewegt, geschwitzt und jeder einzelne Quadratzentimeter der Bühne ausgenutzt - wobei sich das Schlagzeug als oft genutzter und beliebter Aussichtspunkt für Oli Brown darbietet. Aaron am Bass groovt sich durch den Set und bildet gemeinsam mit Adam am Schlagzeug ein tightes Fundament für Oli‘s Leadgesang bzw. Solos! Beeindruckend der noch auf keinem Tonträger veröffentlichte Song "You're A Lie" wo Oli seiner Gitarre eine Pause gönnt und diese zur Seite stellt und Aaron seinen Bass verzerrt spielt – und wenn ich mich nicht getäuscht habe, sein Basssignal auch durch Oli‘s Gitarrenverstärker gejagt hat. Grenzgenial jedenfalls wie das klingt! Und damit die Band noch näher an den mitrockenden Fans sein kann, stellt sich Aaron auch als Träger Oli’s zur Verfügung und gemeinsam spielen sich die beiden durch die Fans.

Adam Breeze am Schlagzeug will dem natürlich im nichts nachstehen. Die Unterbringung des Schlagzeugs in der bereits erwähnten Nische hinderte Adam nicht daran, Songs stehend zu beginnen, per Mikro die Fans - mit Erfolg! - zum mitmachen zu animieren... und am Schluss des Sets beim Bedanken über das Schlagzeug hinweg zurück in "seine" Nische zu springen... Autsch! Übrigens, der Typ kann auch Gitarre spielen und singen! Und so spielen Adam und Aaron beim ruhigen "Eternity" beide Akustikgitarren.

 

Ein mehr als gelungener Dienstag-Abend, getrübt nur durch den Umstand, dass der nächste Tag ein normaler Arbeitstag war und der Schreiber daher nicht überprüfen konnte, in wie weit die Party von den beiden Bands Psycho Village und RavenEye und dem Publikum am Merchstand noch eine Fortsetzung hatte.

(Bernhard Weber)

Setlist RavenEye:

Hate

Come With Me

Inside

Hey Hey Yeah

You're A Lie

Supernova

Madeline

Oh My Love

Out of the Rain

Breaking Out

Eternity

Hero

You Got It