NIGHTWISH - 2015-12-04 - Frankfurt, Jahrhunderthalle (D)

Support: Arch Enemy, Amorphis

Kaum eine andere Band hat sich so zu einer Institution der Symphonic-Metal-Szene gespielt wie Nightwish. Seit Jahren - wenn nicht sogar Jahrzehnten - und trotz zweifachem Wechsel am Mikrofon - sind die Fans den Finnen treu. Jedes neue Album bedeutet dabei für die Fans ganz klar eins: Welttournee. Und die haben es bei Nightwish in sich. So ist es nicht verwunderlich, dass auch der jüngste Longplayer „Endless Forms Most Beautiful“ (VÖ 27.03.2015) mit zahlreichen Daten rund um die Welt gefeiert wird. Auch die Jahrhunderthalle in Frankfurt steht dabei auf dem Plan, in der sie gemeinsam mit Amorphis und Arch Enemy vor ausverkauftem Haus rocken.

Amorphis obliegt die Aufgabe den Abend zu eröffnen. Auch wenn die Halle aufgrund der frühen Anfangszeit noch nicht vollständig gefüllt ist, ist die Energie in selbiger sofort greifbar. Diese zeigt sich zwar vor allem zentriert vor der Bühne, aber dass Amorphis eine solide Fanbase in der Halle haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Und so machen die Finnen ihren Job als Anheizer gut. Sie fegen über die Bühne, lassen das Haupthaar schwingen und zeigen, wie solider Metal funktioniert. Für den typischen Nightwish-Fan mag dabei die Melodie und große Theatralik fehlen, was erklärt, warum der Funke nicht durch die gesamte Halle springt. Da nutzt es auch nur bedingt etwas, dass Nightwish-Bassist Marco Hietala im letzten Song mit in die Saiten greift. Respektvoll ist der Applaus dennoch, mit dem die Band verabschiedet wird.

Setlist Amorphis:

01. Death of a King

02. Sacrifice

03. Hopeless Days

04. Bad Blood

05. Sky Is Mine

06. Silver Bride

07. The Four Wise Ones

08. House of Sleep (mit Marco Hietala)

Auch Arch Enemy sind musikalisch etwas weiter von Nightwish entfernt, was der Mischung des Abends aber keinen Abbruch tut. Vor allem Frontfrau Alissa White-Gluz ist ein wahrer Wirbelwind auf der Bühne, schüttelt die blaue Mähne dabei kräftig und begeistert immer wieder vor allem mit ihren prägnanten Growls und Shouts. Aber auch ihre Kollegen stehen ihr nicht nach und begeistern mit viel Zusammenspiel und Bühnenpräsenz. Ganz ist der Funke zwar immer noch nicht durch die inzwischen deutlich vollere Halle gesprungen, die Begeisterung doch eindeutig größer als noch bei Amorphis und damit die Stimmung gut angeheizt für den Headliner des Abends.

Setlist Arch Enemy:

01. Yesterday Is Dead and Gone

02. War Eternal

03. Ravenous

04. Stolen Life

05. You Will Know My Name

06. As the Pages Burn

07. Under Black Flags We March

08. Avalanche

09. No Gods, No Masters

10. Nemesis

Und die lassen sich nicht lang bitten. Nightwish wären dabei nicht sie selbst, wenn sie es nicht von der ersten Sekunde an so richtig krachen lassen würden. Und so brennt schon im ersten Song die Bühne. Feuersäulen unterstreichen die Songs und sorgen für die richtigen Effekte, um das Publikum sofort restlos zu begeistern. Licht, Pyro und Bühnengestaltung vereinen sich so in perfektem Einklang zu stimmigem Ambiente in dem die Musiker gemeinsam ihre Lieder entfalten und die Zuschauer in ihre Welt entführen.

Die ist - so kennen und lieben die Fans Nightwish - wie ein wilder Traum und in Perfektion inszeniert. Floor Jansen (Gesang), Emppu Vuorinen (Gitarre), Marco Hietala (Bass), Tuomas Holopainen (Keyboard), Troy Donockley (Uilleann Pipes) und Kai Hat (Schlagzeug) zaubern auch nach Jahren eine phantastische Show auf die Bühne und zeigen dabei dass sie den Spaß an der Sache nie verloren haben. Das Zusammenspiel der Musiker ist immer wieder herrlich zu beobachten, die Faxen zwischen Marco, Emppu und Tuomas werden nie alt. Floor hat sich als neuer Mittelpunkt des Geschehens etabliert und überzeugt vor allem gesanglich auf ganzer Linie. Dank ihrer Stimmbreite und -vielfalt schafft sie den perfekten Spagat durch die Diskografie der Band und schenkt doch jedem Song ihre ganz eigene Note. So können Songs aus der gesamten Schaffenszeit ebenso Teil des Abends sein, wie auch die des jüngsten Albums „Endless Forms Most Beautiful“, auf dem jedoch klar der Fokus liegt.

Auch Troy, der immer wieder auch ein wenig in die Rolle des Geschichtenerzählers schlüpft, ist nicht mehr aus dem Gesamtbild wegzudenken. Einzig Kai am Schlagzeug, der aufgrund der Erkrankung von Jukka eingesprungen ist, ist noch etwas ungewohnt aber keineswegs ein schlechter Ersatz - ganz im Gegenteil sogar!

 

So vergeht der Abend wie im Flug. Ein Highlight jagt das Nächste und so ist schlichtweg alles perfekt. Sicherlich gäbe es noch eine ganze Menge Songs, die dem ein oder anderen bei einer so umfangreichen Diskografie auf der Setlist fehlen, doch der Querschnitt ist den Musikern definitiv geglückt. Und so werden die Fans glücklich in die kalte Frankfurter Nachtluft entlassen. Der einzige Wunsch, der offen bleibt? Eine baldige Wiederholung!

(Steffie Wunderl)

Setlist Nightwish:

01. Shudder Before the Beautiful

02. Yours Is an Empty Hope

03. Ever Dream

04. Wishmaster

05. My Walden

06. While Your Lips Are Still Red

07. Élan

08. Weak Fantasy

09. 7 Days to the Wolves

10. Alpenglow

11. Storytime

12. I Want My Tears Back

13. Nemo

14. Stargazer

15. Ghost Love Score

16. Last Ride of the Day

17. The Greatest Show on Earth