INSOMNIUM - 2014-11-16 - Köln, Essigfabrik (D)

Support: Stam1na, Fleshgod Apocalypse

Auch heute gibt es wieder nicht so sonderlich viele Besucher in der kölner Essigfabrik. Es scheint, als säße das Geld für Konzerte zum Jahresende nicht mehr so locker. Dabei hieß es doch vom Headliner des Abens, es wären nicht mehr so viele Tickets zu haben. Vermutlich war das Kontingent ohnehin geringer, da die Halle vom Merchstand durch die schweren Vorhänge abgetrennt wurde.

Die erste Band, STAM1NA, prügelten musikalische zumindest direkt ins Volle. Rotierende Köpfe gefolgt von schnellen Gitarrenriffs, angetrieben durch polternde Drums flogen einem um die Ohren, so dass man fast die Orientierung verlieren könnte. Zwischendurch gab's noch etwas Sprühregen gratis, denn Gitarrist Pekka Olkkonen machte sich für's "Propeller-bangen" die Haare nass. Die Songtexte dürften für Nicht-Finnen, oder zumindest jeden, der dieser Sprache nicht mächtig ist, ziemlich unklar sein. Hier streikt selbst der Google-Translator. Oder kann mir jemand sagen, worum es im Song "Hammasratas" geht? Oder "Viisi Laukausta Pääh"? Nein? Ich auch nicht... Jedenfalls kann ich so viel sagen, als das "Kuolaaksi Ruoskitut Hevose", "Masiina", "SLK" und "Panzerfaust" aus dem aktuellen Album "SLK" gespielt wurden. Aber auf die Texte kommt es ja nicht unbedingt an. Hauptsache die Musik macht Spaß und das hat sie definitiv!

FLESHGOD APOCALYPSE liegen ihren Vorgängern in Sachen Tempo in nichts nach! Neben den headbangenden Gitarristen ging hier ebenfalls Pianist Francesco Ferrini ordentlich zur Sache. Die maskierte Backgroundsängerin begleitete die Musik im Sopran während Sänger Tommaso Riccardi die Growls durch das Mikro jagte. Optisch tritt die Band im leicht verknittert schniecken Zwirn mit Fliege auf, die Gesichter weiß geschminkt und die Augen schwarz schattiert. Vom aktuellen Langspieler "Labyrinth" aus 2013 wurden die üblichen vier Titel ("Minotaur (The Wrath Of Poseidon)", "Pathfinder", "Epilogue", "Prolog") gespielt. Zum letzten Track, "The Forsaking", wurden die Italiener nochmal tatkräftig von den anderen beiden Bands im Gesang und der Bühnenpräsenz unterstützt.

Während Flashgod Apocalypse geschminkt und verkleidet auf der Bühne stehen, kommen die Finnen von INSOMNIUM gänzlich ohne Schnickschnack und Chichi aus. Etwas nordisch unterkühlt wirkte das Agieren des Quartetts. Sänger Niilo Sevänen kündigte zwar das ein oder andere Lied an, bedankte sich auch für den Schabernack der anderen Bands, aber nahm nicht wirklich viel Kontakt mit den Fans auf - abgesehen vom üblichen "Vielen Dank, ihr seid super!". Die Stimmung kochte trotzdem auf Hochtouren. Niilo war stimmlich voll auf der Höhe, bzw. Tiefe, und musikalisch gab es ebenfalls nichts zu meckern. Ein kurzer Blick auf die Setliste regte kurz den Gedanken an, dass die Band extra für dieses Abschlusskonzert der Tour neue Songs geschrieben hätte. der nächste Gedanke erklärte dann aber alles. Die Songs "Prime Rib Fart" oder auch "Daughter Of The Loon" gab und gibt es natürlich nicht. Zu dieser Setliste passten auch andere Dinge, die an diesem Abend wohl nicht normal oder so von INSOMNIUM geplant waren.

Die Vorbands kamen auch mal auf die Bühne, hielten die Musiker fest und bemalten deren Gesichter mit der Schminke von Fleshgod Apocalypse. Später kamen sie nochmal als Butler (mit stilecht blutverschmierten Hemden) und fütterten INSOMNIUM mit Resten des Caterings. Und gegen Ende wurden die Finnen von deren Tourkollegen mit Tape gefesselt, was das Heben der Arme schwer bis unmöglich machte. Sehr erstaunlich, dass hier alle noch konzenttiert genug die Noten spielen, bzw. Niilo den richtigen Test singen konnte. Drummer Markus Hirvonen wurde an seinen Hocker geklebt und konnte am Schluß für das Gruppenfoto vor dem Publikum kaum aufstehen. Insgesamt ging die Show circa ein einhalb Stunden und beinhaltete neben "The Primevil Dark", "While We Sleep", "Revelation", "Ephermal" und "The Promethean Song" vom aktuellen Album "Shadow Of The Dying Sun" auch Songs der Vorgängerscheiben ("Last Statement" von "Above The Weeping World" (2006), oder "Unsung" von "One For Sorrow" (2011) und zum Schluß "Down With The Sun" von "Across The Dark" (2009)).

Eine absolut mehr als geile Show die INSOMNIUM hier geboten haben - auch sehr amüsant natürlich mit den ganzen Dingen, die nebenbei und ungeplant passiert sind. Hoffentlich lassen sich die Nordlichter bald wieder bei uns blicken!

(Sarah Jacob)