EISBRECHER - 2013-11-28 - Köln, Live Music Hall (D)

Support: A Life [Divided]

10 Jahre, 11 Shows, 12 Tausend Meilen

 

Wenn ich mich auf ein Konzert freue, ziehen sich für mich die letzten Meter bis zum Ort des Geschehens ins unermessliche. Die katastrophale Parksituation, die sich weitläufig um die Lichtstraße 30 im Kölner Stadtteil Ehrenfeld zieht, macht das nicht besser. Nach einiger Zeit unermüdlichen Kreisens durch Haupt- und Nebenstraßen, haben wir einen Parkplatz an einer nahegelegenen Tankstelle ergattert. Im Stechschritt durch die Kälte haben wir unser Ziel nach einigen Minuten erreicht. Die Live Music Hall.

 

Heute Abend spielen Eisbrecher. Ihre Jubiläumstournee „10 Jahre, 11 Shows, 12 Tausend Meilen“ hatten sie am Vortag in Hamburg begonnen. Man sollte also meinen, dass die Jungs um Sänger Alexx („der Checker“) Wesselsky noch gut drauf sind und vor Elan strotzen! Das letzte Mal habe ich sie im August 2013 auf dem Wacken Open Air gesehen und dafür einen Sonnenstich kassiert. Das soll mir heute nicht passieren, dafür ist es natürlich unmöglich „eine richtige“ Festivalstimmung in die kleine Live Music Hall zu bringen. Da wir u. a. wegen der Parkplatzsuche recht spät dran waren, hatten wir beim Einlass keine Probleme und konnten direkt durchgehen.

A Life [Divided], mit Frontmann Jürgen Plangger (seit 2006 Gitarrist bei Eisbrecher) war bereits Vorband für Eisbrecher auf der Antikörper-Tournee (2007). Als wir den Konzertraum betreten, stehen sie auf der Bühne und spielen noch zwei Songs. Danach beginnt die Umbaupause. Die Aufgabe des „Anheizens“ scheinen sie gut umgesetzt zu haben, denn es herrscht allgemein freudige Erwartung auf das Konzert von Eisbrecher.

 

Für mich sind Veranstaltungsort und dessen Aufbau elementar wichtig, wenn es um das Gelingen eines wirklich guten Konzertabends geht. Daher zunächst noch einige Worte zur Live Music Hall. Auch, wenn das Konzert ausverkauft ist, kann man sich nach der Vorband noch mehr oder weniger „luftige“ Stehplätze sichern, wenn man bereit ist, Abstriche in punkto Sicht zu machen. Trotzdem scheinen die Konzertbesucher heutzutage immer garstiger zu werden. Sobald man irgendwo durch möchte oder jemandem zu nahe kommt, wird man gepiekt, geschubst, angeraunzt oder zumindest böse angeguckt. Nach meiner Empfindung, war es vor einigen Jahren noch viel entspannter und das Sozialverhalten ausgeprägter. Abstriche muss ich bei Merchandise und Getränken machen.

 

Als ich erfuhr, dass ich zu Eisbrecher fahre, habe ich mir fest vorgenommen diesmal auch ein Shirt vom Merchandise-Stand mitzunehmen. Dieser befindet sich in einer winzigen Ecke, wo dicht gedrängt Leute davor stehen, um einen guten Blick auf die Bühne zu erhaschen. Der Stand ist also komplett abgeschirmt. Ich sehe ihn erst gar nicht, bis ich darauf aufmerksam gemacht werde. Also gut, die Schubserei ist es mir nicht wert, das Shirt bleibt dort.

Mich packt der Durst an diesem Abend dreimal. Dabei stelle ich fest, dass sich die Thekenbedienungen offensichtlich ihr Trinkgeld je nach ihrer persönlichen Situation selbst festlegen. Ich bestelle dreimal die gleiche Kombination, ein Bier, eine Cola und zahle jedes Mal einen anderen Preis dafür (natürlich abzüglich des Becherpfands). Ich erhalte einen großen Becher mit einem halben Bier und einen kleinen Becher mit einer Pfütze Cola. Die Preise variieren zwischen 30 und 50 Cent. Mir vergeht die Lust beim dritten Mal, erneut den Betrag aufzurunden und ich lasse mir auf den Cent genau alles zurückgeben. Grundsätzlich empfiehlt sich auch eine starke Blase oder ein vorheriger Toilettenbesuch, denn die WCs sind ungünstig gelegen, vor allem wenn man weit im Innenraum steht.

 

Nach einer mittellangen Umbaupause verdunkelt sich der Saal und Eisbrecher beginnen mit ihrem Intro. Die Halle füllt sich mit lautem Frauengekreisch. Ich frage mich kurz, ob ich mich im Veranstaltungstermin geirrt habe. Der Bühnenaufbau ist einfach gehalten. Im Fokus stehen Sänger Alexx Wesselsky, Lead-Gitarrist Jochen „Noel Pix“ Seibert und Gitarrist Jürgen Plangger. Der Opener ist „Kein Mitleid“ (Antikörper) und die Stimmung startet gleich voll durch. Alexx zieht mit einer guten Show, kleinen Gags und wilden Gesten vor allem das weibliche Publikum in seinen Bann. Zeitweise bekommt man wegen des Jubels akustisch das Gefühl, es stehe ein Backstreet-Boy auf der Bühne. Eisbrecher bleiben dem Motto ihrer Tournee treu und spielen Songs aus allen bisher veröffentlichten Alben:

2004: Eisbrecher

2006: Antikörper

2008: Sünde

2010: Eiszeit

2012: Die Hölle muss warten

 

Während die Stimmung bei Songs wie „Amok“ (Eiszeit), „Willkommen im Nichts“ (Eisbrecher) und „Verrückt“ (Die Hölle muss warten) ihren Höhepunkt erreicht und das Publikum taktvoll zu den elektronischen Beats mitgeht, wird’s in der Halle für ein Konzert plötzlich ungewöhnlich Still und die Stimmung irgendwie drückend, als Eisbrecher die ruhigeren Töne mit Titeln wie „Eisbrecher“ (Eisbrecher) oder „Augen unter null“ (Die Hölle muss warten) anstimmen. Die gedrückte Stimmung hält an und scheint sich auch auf die Band und vor allem Alexx Wesselsky zu übertragen. Die Anmoderationen und kleinen Späße zwischen den Songs werden deutlich knapper. Als die ersten Töne von „This is Deutsch“ (Sünde) erklingen schaffen Eisbrecher es, das Publikum erneut zum Mitgehen zu bewegen.

In der Zwischenzeit ist uns das übliche Schieben und Drängeln während des Konzerts unangenehm geworden und wir wollen etwas Luft zu schnappen. Klar ist, dass man seinen vorderen Platz ohne weiteres Schieben und Drängeln nicht mehr wieder erlangt. Da im hinteren Teil der Live Music Hall leider nur noch viel Bass ankommt, beschließen wir, den Heimweg anzutreten und die Zugabe(n) zu verpassen. Auch, weil wir das Verkehrschaos umgehen möchten.

 

Mein Fazit:

Dieser Bericht mag an der ein- oder anderen Stelle ein hohes Maß an Unzufriedenheit suggerieren. Allerdings hat mir der Abend trotz aller Widrigkeiten gut gefallen. Musikalisch gibt es bei Eisbrecher überhaupt nichts zu meckern! Auch wenn Alexx Wesselsky sich nach eigener Aussage „langsam alt“ fühlt, ist das Konzert gelungen.

 

Baut mir einen gescheiten Merchandise-Stand auf und ich komme garantiert wieder!

 

(von Anne Meier)