TRACER - 2013-06-05 - Berlin, Magnet Club (D)

Support: Operators

Eigentlich wollte ich zum TOTO-Konzert, welches von der Zitadelle (wegen zu geringer Nachfrage?) ins Huxley’s verlegt worden war. Im Vorprogramm sollte der Quasi-Thin Lizzy-Nachfolger BLACK STAR RIDERS spielen und ich dachte mir, dass dies ein gutes Package wäre. Nun gut, schön in die ca. 150 Meter lange Schlange eingereiht, aber als ich endlich den Eingangsbereich erreichte, musste ich feststellen, dass BSR ihren Gig gecancelt hatten. Was tun? 53 Euro für eine Band bezahlen, die für Schmuserock a la „Africa“ und „Rosanna“ steht, die aber mit Steve Lukather einen schweinegeilen Gitarrist in den Reihen hat? Nach kurzem Überlegen beschloss ich stattdessen Plan B aus der Tasche zu ziehen (eine TOTO-Karte hatte ich mir im Vorverkauf zum Glück nicht gekauft) und mir TRACER im Magnet-Club anzuschauen. Die Band kannte ich überhaupt nicht, aber angekündigt wurde sie als Stoner Rock/Powerrockband. Na, das könnte ja interessant werden. Im tiefsten Kreuzberg entpuppte sich der Magnet-Club als nette Location für 300-400 Leute und über den Eintrittspreis von 15 Euro konnte man auch nicht meckern.

 

Den Opener gab die Berliner Band OPERATORS, die nach einem psychedelischen Orgelintro in das Set einstieg. Blickband der Sechserformation war die überdimensionale Orgel, die gefühlt die ganze Bühne einnahm. Musikalisch bewegte man sich zwischen Stonermucke und Psychedelia der sechziger Jahre, weniger Black Sabbath und mehr Stones (z. B. wurde das „Under My Thumb“-Thema aufgegriffen). Gesanglich orientierte sich Sänger Eggat an Jim Morrison. Nach gut vierzig Minuten war Schluss und ich kann sagen, dass mir die Kombo gut gefallen hat. Auffallend war, dass sich unter den bis dahin ca. 50 Leuten auffallend viele Mädels befanden (wie kommt’s?).

 

Nach einer gut halbstündigen Umbaupause stürmten die Australier TRACER die Bühne und legte von Beginn an alles in Schutt und Asche. Und jetzt wurde mir auch klar, warum mindestens die Hälfte der auf inzwischen 100 Menschen angewachsenen Meute zur Hälfte aus dem weiblichen Geschlecht bestand. Es lag ganz eindeutig an Sänger Michael Brown, der nicht nur unglaublich gut aussah ;-), sondern auch noch den authentischen RockNRoller gab.

Die Vocals klangen wie eine Mischung aus dem jungen Glen Danzig und Chris Cornell (Soundgarden). Und dazu spielte er noch eine richtig gute Gitarre! Die Musik würde ich mit der von Monster Magnet vergleichen (die schnellen Sachen a la „Powertrip“ oder „Crop Circle“), aufgelockert durch psychedelische Songs und Songs, die vom „From Dusk Till Dawn“-Soundtrack stammen könnten. Nach dem regulären Set kam die Band, bei der die Rhythmus-Sektion für einen guten Groove sorgte, noch mal für zwei Zugaben zurück und beendeten den Gig nach gut fünfundsiebzig, extrem kurzweiligen Minuten. Ich hab’ es nicht bereut mir TRACER statt TOTO anzuschauen und werde mich umgehend mit dem Backkatalog von TRACER beschäftigen. Bislang sind drei CDs erschienen.

 

(Erwin W.)