MICHAEL SCHENKER – 2013-05-08 – Köln, Essigfabrik (D)

Support: Absolva

Von der Supportband ABSOLVA hatte ich bislang noch nichts gehört und so war ich mäßig gespannt auf deren Auftritt. Das sollte sich aber gleich in den ersten Minuten ändern, denn nach einem kurzen Keyboard-Intro stürmten die Musiker wie ein Rudel junger Wölfe die Bühne, um den bereits schon zahlreich erschienen Leuten einen ordentlich vor den Latz zu knallen! In einem ausliegenden Flyer wurde die Band von einem gewissen Dom Lawson vom Metal Hammer UK als eine Mischung von Thin Lizzy und Megadeth beschrieben, aber Moment mal!

Wo waren denn die berühmten Twin Guitars? Richtig, auf den Promobildern sind vier Musiker abgebildet, aber scheinbar war ihnen der zweite Gitarrist Tom Atkinson zwischen Manchester (von dort kommen die nämlich) und Köln verlustig gegangen. Macht aber nix, denn Sänger (klingt ein bisschen wie Andi Deris) und Leadgitarrist Chris Appleton konnte die anwesenden auch so überzeugen (inkl. Tapping a´ la Eddie Van Halen). Also Megadeth hab’ ich nicht rausgehört, würde deren Musik aber als eine Mischung zwischen klassischem Hardrock mit einer Prise Heavy Metal bezeichnen.

In Erinnerung geblieben ist mir das Metalmonster „Code Red“ mit anschließendem kurzem Schlagzeugsolo, das von Saxon beeinflusste (Bass!) „It Is What It Is“ und die schöne Gänsehaut-Halbballade „Only When It’s Over“, eingeleitet durch eine Akustikgitarre. Nach gut einer halben Stunde war leider schon Schluss, vielleicht auch zum Glück, denn Drummer Martin McNee sah aus, als würde ihm gleich der Kopf platzen ;-). Well Done, Dudes!

P.S. Nach dem Konzert gaben die Musiker, zu denen noch Bassist Dan Bate gehört und auch für tadellose Backings sorgte, fleißig Autogramme und verkauften ihre CD „Flames Of Justice“ für verbraucherfreundliche zehn Euro. Auf die Nachfrage, wie alt sie den seien, antwortete mir Sänger Chris, dass sie Mitte zwanzig wären, aber schon in vielen Bands gespielt hätten und nun beschlossen hätten (mit einem Augenzwinkern) eine Supergroup zu gründen…

Nach dem gut einminütigen Intro zu „Save Yourself“ und unter den Augen von keinem Geringeren als AXEL RUDI PELL, stieg die MICHAEL SCHENKER GROUP furios mit „Lovedrive“ in das Set ein, wobei gleich auffiel, dass Michael Schenker scheinbar um Jahre „gejüngert“ zu sein schien. So vital und topfit hab’ ich ihn schon lange nicht mehr gesehen.

Aber der Reihe nach: In der ersten halben Stunden beschränkte sich die Band auf Material der klassischen MSG. Im Vergleich zum Tilburg-Konzert (s. CD-Review) wurde das Set ein bisschen variiert. So wurden „Cry For The Nations“ und „Let Sleeping Dogs Lie“ durch “Rock My Nights Away” und dem neuen Track „Horizons“ von der bald (?) erscheinenden neuen Platte „Bridge The Gap“ ersetzt. Bei „Horizons“ handelt es sich um einen, für Schenker-Verhältnisse recht schnellen Song, der durch den einprägsamen Refrain gut ins Ohr geht. Witziger Weise sang Sänger Doogie White (gute Ausstrahlung, gute Interpretationen der Songs aus vierzig (!) Jahren Rockmusik) etwas von „Lost Horizons“ und Schenker-Kenner werden es wissen, dass es auf dem ersten Album der Michael Schenker Group (1980) ein gleichnamiges Epos gibt, das ganz klar zu DEN besten Schenker-Songs gehört. Soll da vielleicht eine Brücke zwischen der alten und der neuen Michael Schenker Group geschlagen werden? Wir halten gespannt den Atem an…

Mit dem Ronnie James Dio gewidmeten „Before The Devil Knows Your Dead“ leitete die Band quasi den zweiten Teil des Konzerts ein, der ausschließlich aus UFO-Nummern bestand. Auch hier wurden im Gegensatz zum Tilburg-Konzert leichte kosmetische Veränderungen vorgenommen und es gab erstmals „Only You Can Rock Me„ und „To Hot Too Handle“ zu hören. Eine klasse Version von „Lights Out“ beschloss das Konzert, doch die gut drei- bis vierhundert (?) Fans wollten mehr! Und so kamen die Männer um Michael Schenker gleich zweimal zurück auf die Bühne, um noch ein paar - getreu des Tourmottos „Temple Of Rock & Lovedrive Reunion Tour“ - Klassiker zu zocken. Hier durfte Wayne Findley zeigen, dass er ein richtig guter Leadgitarrist ist, denn die Soli zu „Rock You Like A Hurricane“ und „Blackout“ wurden von ihm übernommen.

Noch ein Wort zu Michael Schenker: Im letzten Jahr sah ich UFO in Siegburg (bei Bonn) und stellte fest, dass deren Gitarrist Vinnie Moore die Songs aus der Schenker Ära inzwischen nach seinem Gusto spielt und so freute ich mich am heutigen Abend auf die Original-Soli. Doch Michael Schenker dachte gar nicht daran die Soli eins-zu-eins nachzuspielen. Und so bekamen wir interessante Variationen/Improvisationen u.a. in „Rock My Nights Away“, „Let It Roll“ und „Rock Bottom“ zu hören.

Mit den „Teilzeit-Rentnern“ Francis Buchholz und Herman „Ze German“ Rarebell sowie Doogie White und Wayne Findley hat Michael Schenker eine schlagkräftige Truppe um sich gescharrt, die uns hoffentlich noch ein Weilchen erhalten bleibt. Nach dem Konzert sah man auf jeden Fall nur fröhliche und zufriedene Gesichter. Dazu trug bestimmt auch der gute Sound, für den die Tontechniker gesorgt hatten, bei.

 

Setlist Michel Schenker Group

01. Intro (Safe Yourself)

02. Lovedrive

03. Another Piece Of Meat

04. Assault Attack

05. Armed And Ready

06. Into The Arena

07. Rock My Nights Away

08. Attack Of The Mad Axeman

09. Horizons (NEW SONG!)

10. Before The Devil Knows Your Dead

11. Coast To Coast

12. Shoot Shoot

13. Only You Can Rock Me

14. Let It Roll

15. Too Hot To Handle

16. Lights Out

 

Zugaben Teil 1:

17. Holiday

18. Rock You Like A Hurricane

19. Rock Bottom

 

Zugaben Teil 2:

20. Blackout

21. Doctor Doctor

(Erwin W.)