M'era Luna Festival 2019 - Hildesheim

Zum Einsteig eine private Note: das größte Festival der schwarzen Szene wurde für mich dieses Jahr durch einige Missstände beeinträchtigt. Es waren keine Konzertfotos möglich und das machte zumindest den Samstag etwas madig.

Aber das Wetter hielt sich durchgehend gut, praktisch kein Regen zeigte sein stimmungsruinierendes Gesicht. Und im Gegensatz zu Wacken wurde man nicht durch die Temperaturen gebraten. Ganz anders sahen die Dinge jedoch für die Besucher in hautenger Lederkleidung oder in zentnerschweren, viktorianischen Kleidern aus. In einem Bandshirt war es hingegen sehr ertragbar.

 

Musikalisch bewegt man sich ja beim Festival genauso wie mit der Mode in der schwarzen Szene. Es spielten am Samstag und Sonntag Bands der Genres NDH, Gothic-Rock, Metal, „Aggro-Tec“, Techno, Elektro etc.

Dabei wurde die Hauptbühne von den größeren und auch den Newcomer-Bands beehrt und die Hangar Stage von Künstlers des eher elektronischen Genres.

 

Allerdings mangelte es dem Festival an Programm, dass nicht mit Musik in Verbindung stand. Ein weiterer Hangar wurde für Lesungen, Fashionshow und Disco verwendet (letztere war allerdings trotz der Ticketpreise immer noch kostenpflichtig, was in meinen Augen eine Frechheit ist).

Für das Portemonnaie gab es außerdem ein breitgefächertes Zusatzprogramm: ein gigantisches Angebot an Szenefashion, Mittelaltermarkt und selbstverständlich überteuertes Essen und Getränke.

 

Persönlich war Ich jedoch eher am musikalischen Programm interessiert.

Das startete zwar planmäßig erst am Samstag, allerdings konnte man eine Folk-(Metal)-Band genießen, die den Mittelaltermarkt unsicher machten.

 

Am Samstag eröffnete M‘era Luna-Newcomer „Null Positiv“, die eine Mixtur aus NDH und Industrial-Metal spielen, mit sehr beeindruckendem Gesang von Sängerin Elli. Und trotz ihrer kurzen Spielzeit wurde die Band, wie bereits bei vielen ihrer letzten Shows, von zwei leichtbekleideten Tänzerinnen unterstützt.

Besonders spürbar war die Bassdrum bei allen Auftritten auf der Main Stage, insgesamt kann man die Tontechniker sehr loben, denn man durfte bei den meisten Bands den Klang nicht nur hören, sondern auch spüren.

Bei „Sündenklang“ war das z.B. schon der Fall. Die pathetischen Texte auf Deutsch und die Musik, die sehr wie „Eisbrecher“ anmutende, waren sehr spannend. Besonders interessant waren die Songs „Krieger“ und „Brief an Gott“.

„Ewigheim“ spielte eher melodischen, schweren Rock. Allerdings fiel hier besonders auf, dass, im Gegensatz zu den meisten Bands, die Aktionen auf der Bühne eher rar waren und auch durch den Sänger wenig Stimmung gemacht wurde.

Nachträglich fiel mir auf, dass „Stahlmann“ live viel mehr Qualität aufwiesen, als bei ihrem Studiomaterial. Die silberne Bemalung der Bandmitglieder ist hier besonders auffällig. Ihr Auftritt stellte aber für mich aber einen der Höhepunkte an diesem Festivaltag dar, da die Stimmung, das Wetter und die Musik sehr gut/energiegeladen waren.

 

„Marilyn Manson“ stellt bekanntlich eine Größe in der Metal- und schwarzen Szene, in jüngster Vergangenheit vermutlich nur noch vom Stil her. Auch wenn es keinen Auftritt gab, standen die MM-Klone von „Deathstars“ als „Ersatz“ auf der Main Stage. Genauso wie beim Stil-Vorbild, war auch ihr Auftritt/Texte etwas grotesk. Eine der wenigen Bands an diesem Tag deren Texte auf Englisch waren, was bei Skandinaviern vermutlich nicht verwundert.

 

„Corvus Corax“ spielte qualitativ guten Folk, fiel allerdings eher durch ihre opulentes Instrumentarium auf. Und selbstverständlich wurde auch hier an der mittelalterlichen Winkingerschraube gedreht. Das einzige Problem an ihrem Auftritt war, dass die Überlänge der Songs mit der Auftrittszeit kollidierte.

 

Nachfolgend traten die Headliner des folgenden Tages auf: „Oomph!“, „Mono Inc“, „Lacrimosa“, „Within Temptation“ und „ASP“. Hier konnte man voll auf seine Kosten kommen, alle Konzerte waren gut besucht und machten ordentlich Spaß (außer „Lacrimosa“, aber da ist eher eine private Einschätzung).

Das gute Wetter machte einen schönen Festivaltag möglich.

Am Sonntag eröffnete auf der Main Stage „Fear Of Domination“ das Feld. Ein überraschend große Band spielte Musik, die man mit dem Stil von „Amaranthe“ vergleichen könnte.

„Scarlet Dorn“ spielte melodischen Rock, dabei auch ein Duett mit dem Sänger von „Lord Of The Lost“. Klang dabei im Gegensatz zur ersten Band an diesem Tag aber sehr melodisch und hatte weniger Energie als diese.

„Faelder“ und „Diary Of Dreams“ spielten sehr melodischen Rock/Metal. „Versengold“ hatte dabei noch eine folkige Note und war sehr schmissig.

 

Doch allerdings waren die Favoriten des Tages definitiv „Combichrist“ und „Subway To Sally“:

„Combichrist“ spielte dabei eine Mischung aus Techno und Metal, der gemeinhin als „Aggro-Tec“ bezeichnet wird, und dabei hat der Beat und beide Schlagzeugssets ordentlich geknallt. Die Instrumente waren von der Tontechnik sehr gut abgemischt und wirkten auch aus der Entfernung nicht ungleich gewichtet.

Die erfahrene Band „Subway To Sally“ lieferte einen sehr energiegeladenen Auftritt. Dabei wurden von einzelnen Bandmitgliedern ungewöhnliche Instrumente genutzt (mein Favorit war auf jeden Fall eine silberne, dreihälsige Gitarre) und Pyrotechnik ergänzte das Gesamtbild.

 

Eher enttäuschend am Sonntag waren die Auftritte von Joachim Witt und „Field Of The Nephilim“. Ersterer war sehr exzentrisch und gespickt von Stille erzeugenden Sprüchen, die jedesmal eine Atmosphäre von Peinlichkeit erzeugten, musikalisch jedoch stimmungsvoll.

Der zweite war in der Hinsicht enttäuschend, dass es komplett an Energie und Abwechslung mangelte. Es war praktisch kein Song vom anderen zu unterscheiden. Bemerkenswert bei dem Auftritt war allerdings die verwendeten Mengen an Rauch; die Maschine lief nahezu durchgehend.

 

Den Abschluss des Festivals spielte „VNVNation“ emotional-geladenen Electro. Vom Ton her war der Auftritt etwas leichter, im Gegensatz zu einigen der vorangegangenen Künstler. Der Sänger lieferte gute Arbeit, die Band verwendete eine digitale Hintergrundwand und anhand der angetretenen Menge konnte man erkennen, dass bei diesem Auftritt dann für viele Geschmäcker etwas dabei war.

Eine positive Erwähnung ist, dass sie auch eine der Bands waren, die bei dem ersten M‘era Luna vor beinahe 20 Jahren auftraten.

 

Insgesamt kann man es so sehen: Man war an der Hauptbühne sehr gut musikalisch beraten und hatte während der Pausen immer noch die Möglichkeit sich an der Hangar Stage mit elektronischer Musik zu beschäftigen.

Allerdings gab es für mich noch viele Ecken, an denen es viele Möglichkeiten zur Verbesserung gibt. Ein besonders problematisches Feld ist das nicht-musikalische Programm des Festivals. Denn dieses war unzureichend; man hätte nicht die Möglichkeit auf dem Festival gehabt sich mit dem gebotenen Programm sehr lange zu beschäftigen. Mit den Lesungen und Fashionshows war eben nicht der Tag zu füllen, wenn man nicht musikalisch interessiert war. Auch der Mittelaltermarkt bot dort kaum Entlastung.

Und von den für Festivals üblichen Preisen, kann man halten was man will.

(Clemens Düsterhöft)