Wacken Open Air 2018

Gummistiefel und Regenjacke standen in den vergangenen Jahren eigentlich immer ganz oben auf
der Packliste für das Wacken Open Air. Der Blick auf den Wetterbericht in diesem Jahr ist daher
mehr als irritierend: 4 Tage Sonnenschein bei Temperaturen um 30 Grad Celsius und keine
Niederschläge. Knietiefer Schlamm am ersten Augustwochenende in Wacken ist doch ein seit jeher
geltendes Naturgesetz. Ich traue der Sache nicht - die Gummistiefel landen im Auto.
Genau wie 80.000 Gleichgesinnte mache ich mich also auf den Weg in die norddeutsche Provinz,
wo dieses Jahr wieder das größte Metalfestival des Landes zum 29. Mal über die Bühne geht. Die
letzten Karten wurden erst zwei Wochen vor Festivalstart verkauft - es dauerte also dieses Jahr
etwas länger, aber auch diese Ausgabe ist wieder Sold Out.

Mittwoch
Wie schon im vergangenen Jahr verläuft die Anreise auch 2018 wieder reibungslos und
unkompliziert. Der Check-In zieht sich dieses Mal allerdings etwas in die Länge und ich kann erst am späten Nachmittag mein Zelt  aufschlagen. Das Metal Battle verpasse ich deshalb leider und schaffe es erst gegen Abend auf das Festivalgelände, wo ich direkt vor die Wahl gestellt werde:
Nazareth im Zelt oder die Evil Invaders auf der  kleinen Wasteland Stage? Die Entscheidung fällt mir nicht leicht, aber da mich die belgischen Speed Metaller in der Vergangenheit schon häufiger von ihr Livequalität überzeugen konnten, möchte ich sehen, wie sich eine für Wacken eher untypische Band auf dem Festival präsentiert - außerdem standen die Schotten schon etwas länger auf meiner „Must-see“-Liste.

Für den inoffiziellen Festivalstart füllt sich Bullhead City Circus-Zelt, wie in den Jahren zuvor, auch an diesem Mittwoch wieder ordentlich. Bevor Nazareth dann um kurz vor 9 die Bühne betreten, ist am Einlass dann auch Ende - die Kapazität ist voll ausgelastet. Beste Voraussetzungen also für den ersten Abend. Die Band selbst gibt es jetzt schon 50 Jahre, der Karrierehöhepunkt in den 1970ern liegt auch schon ein Weilchen zurück und seit dem Ausstieg von Sänger Dan McCafferty vor 5 Jahren ist mit Bassist Pete Agnew auch nur noch ein Mitglied aus der damaligen Besetzung an Board. Was kann man also vom Auftritt auf dem W:O:A erwarten? Eine gut gemeinte Coverband vielleicht? Weit gefehlt! Vor allem Frontmann Carl Sentance überzeugt mit der Darbietung alter Klassiker wie „Hair Of The Dog“ oder dem unsterblichen „Dream On“. Bei „Love Hurts“ beweist das Wacken Publikum dann wieder einmal, dass ein Slayer T-Shirt nicht unbedingt Textsicherheit bei Classic Rock Liebesliedern verhindert - ich singe natürlich auch mit!

Die nächste Band ist etwas jünger, allerdings auch schon seit den späten 1980ern unterwegs - und sogar immer noch in Originalbesetzung. Die Backyard Babies machen sich auf der Parallelbühne, der Headbanger Stage, bereit und können die Stimmung weiter anheizen. Musikalisch wird es dabei ein wenig schneller und härter - die Schweden spielen Hard Rock mit Punkelementen und liefern einige Ohrwürmer. Die Stimmung ist ausgelassen und die Backyard Babies haben sichtlich Spaß bei ihrem ersten Besuch auf dem norddeutschen Kultfestival.


Eigentlich steht anschließend noch Sepultura auf dem Plan und das Zelt will ich eigentlich nur für
einen kurzen Snack verlassen. Ein großer Fehler, wie ich im Nachhinein feststellen muss: Der
Andrang vor dem Zelt ist nämlich dann doch so groß, dass es absolut kein Durchkommen mehr gibt
und ich mich entschließe, das Gelände für heute zu verlassen. So eine eine Luftmatratze mit
kuscheligem Schlafsack ist nach der langen Anreise ja auch etwas Schönes.


Donnerstag

Die Sache mit dem Ausschlafen gestaltet sich an diesem Wochenende eher schwierig. Das merke

ich bereits am ersten Morgen: um kurz vor 8 Uhr sind die hohen Temperaturen im Zelt bereits nicht

mehr auszuhalten und ich widme mich  gezwungenermaßen dem Frühstück.

Mittags öffnen dann auch endlich die Tore zum Infield mit den beiden Hauptbühnen, wo das

Festival wie jedes Jahr von Skyline - sozusagen der Wacken House Band - offiziell eröffnet wird.

Das Konzept ist auch 2018 wieder genauso simpel wie effektiv: Coverversionen von

Rockklassikern zum Mitsingen.

 

45 Minuten und einige Evergreens später, machen sich Dokken bereit für ihren ersten Wacken-Gig

seit 19 Jahren. Seit Jahren steht der Festival-Donnerstag auf den Hauptbühnen unter dem Motto der

„Night To Remember“ und liefert vor allem ein Programm aus klassischen Heavy Metal und Hard

Rock Bands. Don Dokken, eine echte Kultfigur des US-amerikanischen Glam Metals, lässt sich in

diesen Rahmen natürlich problemlos einfügen. Die Setlist liefert natürlich sämtliche 80er Hymnen

wie „Alone Again“ oder „The Hunter“. Besonders auffällig ist, dass Don Dokken gar nicht erst

versucht, sich in den hohen Lagen zu quälen, sondern im Rahmen seiner heutigen Möglichkeiten

agiert. Vor allem bei „Dream Warriors“ fällt das besonders deutlich und positiv auf und ist ein

wesentlicher Faktor, der diesen Gig so gelungen wirken lässt.

Wir bleiben bei Kultbands und Glam, denn weiter geht es mit Vince Neil, seines Zeichen
Frontmann von Mötley Crüe und seit der Auflösung der Band wieder mit seiner Soloband auf Tour.
Der Auftritt selbst steht ganz im Zeichen dieses musikalischen Erbes: „Dr. Feelgood“, „Kickstart
My Heart“ oder „Girls Girls Girls“ ein Crüe-Klassiker zum Mitsingen nach dem anderen. Der
Gesang ist leider während den ersten Songs etwas zu leise und vor allem die besonders hohen Töne sind für Vince Neil nach mehr als 35 Jahren nicht mehr wirklich erreichbar. Vielleicht hat er ja zuvor den Auftritt seines Kollegen Don Dokken gesehen und nimmt sich in Zukunft ein Beispiel und geht in diesen Passagen etwas tiefer.

Um die hohe Stimmlage müssen sich Behemoth an diesem Nachmittag sicher eher weniger Sorgen machen. Die polnischen Black/Death Metaller bieten am späten Nachmittag Kontrastprogramm zu den klassischen Acts am Anfang, um auch die Anhänger der härteren Schiene zufriedenzustellen.
Und die kommen hier wirklich auf ihre Kosten: die mehr als intensive Show lässt kaum Zeit zum
Durchatmen, denn Nergal und Co. setzen die Bühne für ca. eine Stunde buchstäblich in Flammen. Weniger Tageslicht hätte die Atmosphäre sicherlich noch verbessert, aber das stört hier wirklich nicht besonders.

Das 30jährige Festivaljubiläum wird in Wacken erst im kommenden Jahr gefeiert; für das
selbstbetitelte Debütalbum der nächsten Band ist es hingegen schon in diesem Jahr soweit. Das
nehmen Danzig auch zum Anlass, dies in ihrer Setlist zu zelebrieren und erfreuen ihre Fans gleich mit 5 Titeln aus dem Erstwerk. Misfits-Legende Glenn Danzig zeigt sich an diesem Tag sehr bewegungsfreudig auf der Bühne und liefert mit dem Rest der Band eine energiegeladene Show ab.
Songs wie „Am I Demon“ und vor allem natürlich „Mother“ können dann auch von Besuchern
mitgesungen werden, die sich sonst vielleicht nicht unbedingt zum eingefleischten Hörerkreis der Amerikaner zählen würden. Getrübt wird das Gesamtbild lediglich durch einige Feedbackprobleme auf der Bühne, welche die Techniker auch bis zum Ende des Konzertes nicht in den Griff bekommen.

Ein Highlight wartet dann zum Ende des offiziell ersten Festivaltages: Für die Headlinerposition der „Night To Remember“ konnte 2018 niemand Geringeres als die britischen Heavy Metal Pioniere Judas Priest verpflichtet werden. Für mich ist es der erste Priest Gig nach dem unglücklichen Ausstieg des an Parkinson erkrankten Gitarristen Glenn Tipton. Ersatzklampfer Andy Sneap vertritt den langjährigen Gitarristen beim Konzert mehr als würdig und zeigt sich extrem spielfreudig - keine Frage. Für mich als langjährigen Judas Priest-Fan ist es aber dennoch ein komisches Gefühl, die Band ohne Glenn zu sehen. Das soll aber nicht über die Qualität des Konzertes allgemein hinwegtäuschen: Die Band ist perfekt eingespielt und Rob Halford ist stimmlich auf ganz hohem Niveau. An dieser Stelle ist es mir wirklich ein Rätsel, welche Konzerte die Menschen besuchen, die dem Gesang Halfords heute nicht mehr die Qualität früherer Auftritte zusprechen. Bei Songs wie „Painkiller“ sitzt vielleicht nicht mehr jeder Ton - der Mann geht immerhin auf die 70 Jahre zu - gerade daher das macht die Konzerte so beeindruckend. Die Setlist dieses Abends verdient das Prädikat „interessant“ - natürlich im positiven Sinne. Die Band stellt auf ihrer aktuellen Tour das neue Album „Firepower“ vor - natürlich sind hier einige Titel gesetzt. Neben bewährten Live-Klassikern wie „Turbo Lover“ oder „Hell Bent For Leather“ schaffen es mit beispielsweise „Saints in Hell“ oder „The Ripper“ auch Titel in die Setlist, die in der Vergangenheit nicht allzu oft im Programm auftauchten. Für die Zugabe kommt auch - wie bereits bei einzelnen Konzerten der Tour- Glenn Tipton auf die Bühne, unterstützt seine Band bei „Metal Gods“, „Breaking The Law“ und „Living After Midnight“ und rundet somit einen würdigen Headlinerauftritt ab.


Freitag
Am Freitag gehen die Temperaturen dann noch einmal ein Stück nach oben und manch einer ist
wohl froh, die Mittagszeit im Bullhead City Zelt verbringen zu können, wo Attic den Festivaltag
für mich eröffnen. Wo hier die musikalischen Wurzeln liegen, wird direkt zu Beginn deutlich und
zieht sich durch das gesamte Set - allem Anschein nach haben die Jungs für das Songwriting auf einigen King Diamond und Mercyful Fate Platten geschlafen. Der Auftritt der 5er Combo aus dem Ruhrgebiet ist durchaus solide, die Wahrnehmung wird aber zumindest an meiner Position durch den furchtbar abgemischten Sound in Mitleidenschaft gezogen.

Auch im Laufe des Nachmittags ist das Zelt ein attraktiver Zufluchtsort für all diejenigen, die sich
nicht unbedingt der prallen Sonne aussetzen wollen. Ob Chris Jericho’s Fozzy oder Firewind mit dem ehemaligen Ozzy Osbourne Axtmann Gus G. Der Bullhead City Circus bietet abseits der Hauptbühnen ein buntes Program für jeden Geschmack - am Abend dann auch noch mit einer einheimischen Thrash-Legende. Dementsprechend groß ist auch der Andrang, als Destruction am Abend auf der W:E:T Stage gastieren: Fronter Schmier, Gitarrist Mike Sifringer und Drummer Randy Black, der an diesem Tag sein Debüt mit der Band gibt, drücken von Beginn an aufs Gaspedal, um die Nackenmuskulatur aller Anwesenden mit brachialen Riffs auf Betriebstemperatur zu bringen.

Die Sonne senkt sich langsam hinterm Horizont und für die Auftritte am Abend füllen sich
allmählich die Freiräume vor den Bühnen. Für die Damen und Herren in den ersten Reihen vor der
Faster-Stage gibt es kaum ein Halten, als Nightwish um ca. 21 Uhr die Bühne betreten und mit „End Of All Hope“ loslegen. Unter dem großzügigen Einsatz von Flammenwerfern, geben sich die Finninnen und Finnen an diesem Tag musikalisch perfekt und liefern eine großartige Show - gespickt mit epischen Melodien.

Wer mit Symphonic Metal nicht wirklich viel anfangen kann, ist währenddessen möglicherweise im Zelt besser aufgehoben. Die Blues Pills, eine multinationale Gruppe mit Mitgliedern aus Schweden, Frankreich und den U.S.A., geben sich auf der W:E:T Stage die Ehre. Der Bandname verrät schon, was gleich auf der Bühne passieren wird: zwischen Led Zeppelin und Aretha Franklin, zwischen Soul und Rock, hier lässt sich die Musik des Quartetts irgendwo einfügen. Vor allem Sängerin Elin
Larsson ist an diesem Abend kaum zu bremsen und springt während des gesamten Sets munter über die Bühne.

Eigentlich wollten Running Wild ja schon vor einigen Jahren die Segel streichen und nicht mehr auf Tour gehen. Irgendwie verschlägt es Rock n Rolf und Co. Auch noch Jahre nach der „Farewell-Show“ in Wacken, verschlägt es die deutsche Kult Band auf die großen Bühnen. Für die diesjährige Ausgabe hatte Rolf Kasparek bei der Pressekonferenz eine ganz besondere Show angekündigt - nämlich mit „großer Produktion und mit viel Pyro“. Das versprochene Feuerwerk gibt es dann auch, - an Flammenwerfern und sonstigen Knalleffekten wird hier nicht gespart. Musikalisch ist das ganze schon weniger spektakulär, aber trotzdem solide. Routiniert spielen sich Running Wild durch ein eineinhalb stündiges Best-Of Programm ohne größere Überraschungen. Egal, den Fans vor der Bühne rasten trotzdem aus.

Die Nacht ist aber noch lange nicht vorbei. Es ist schon fast 2 Uhr als die Licher auf der Harder
Stage erneut ausgehen und die Videowände den letzten Act dieser Nacht ankündigen. Ghost lade
zu einer Messe der etwas anderen Art ein - so wirkt es zumindest, als die 7 ‚Nameless Ghouls“ die theatral als Kirche inszenierte Bühne nach einem sakral anmutenden musikalischen Intro betreten. Cardinal Copia, der neue Repräsentant der Schweden, folgt und eröffnet die Show. Für das jüngste Werk „Prequelle“ nahm der Cardinal den Platz seines Vorgängers Papa Emeritus III ein. In den vergangenen Jahren hat sich das Projekt eine breite Fanbase erspielt und kann auch zu dieser späten Stunde noch eine große Zahl von Besuchern vor der Hauptbühne versammeln. Warum das so ist, wird schnell klar: Die theatrale Inszenierung der Show, musikalische Präzision und ein wahnsinnig fetter Sound. Von den etwas holprigeren Shows der Anfangsjahre haben sich die Schweden verabschiedet. Die Band legt an diesem Abend einen der besten Auftritte des Festival aufs Parkett. Songs wie „Square Hammer“ „He Is“ oder auch „Dance Macabre“ und „Rats“ vom aktuellen Album haben dabei Klassiker-Potential und machen Ghost zu einem heißen Anwärter auf die Headlinerposition für die europäischen Festivals der kommenden Jahre.


Samstag
Am Samstagmorgen werden dann nochmal alle verbleibenden Kräfte mobilisiert, um in den letzten Festivaltag zu starten. Da der Regen auch heute auf sich warten lässt, kann im Infield weiter Staub aufgewirbelt werden - Gojira bietet dafür etwa eine passende Gelgenheit. Grooviger und
progressiver Death Metal - irgendwie so könnte eine Beschreibung lauten - für das, was die vier
Franzosen auf die Bühne zaubern. Die Band ist bekannt für komplexen Rhythmen und
Tempowechsel und hohe technische Präzision. Erstaunlich ist, dass Gojira den mächtigen Sound der
Platten direkt auf die Bühne bringen und somit ein intensives Liveerlebnis schaffen. Mit „L’Enfant
Sauvage“ „The Cell“ oder „Silvera“ zeigt die Band eindrucksvoll, wie modernes Riffing aussehen
kann. Ein zweiminütiges Intro wie bei „Flying Whales“ trauen sich bei einer Festivalshow ebenfalls
nicht viele Bands.

Vor der Harder-Stage drängen sich danach zunehmend Männer in engen Spandexhosen und Hemden mit Leopardenmuster. Wenig überraschend betreten Steel Panther die Bühne kurz darauf in ähnlichem Gewand. Der Humor der Band trifft zugegebenermaßen nicht jedermanns Geschmack - Peniswitze und andere anzügliche Bemerkungen sind bekanntermaßen ein wesentlicher Bestandteil einer jeden Liveshow und sollten vielmehr als parodistische Hommage an den Glam Metal der 1980er Jahre gesehen werden. Die vier Amerikaner ziehen dieses Programm mittlerweile einige Jahre durch, was sich langsam bemerkbar macht. Die Sprüche wiederholen sich und letztendlich wird der Eindruck erweckt, die Show vom W:O:A 2016 - mit Ausnahme einiger Änderungen in der Setlist - noch einmal zu sehen. Trotz der musikalischen Leistung (die Jungs beherrschen ihr Handwerk absolut) wirkt die Performance daher für mich leider etwas vorhersehbar und einfallslos.

Die letzte Headlinerposition der diesjährigen Wacken Open Airs gehört der großen ‚Pumpkins
United‘-Show der deutschen Power Metal Pioniere Helloween. Das Intro „Let Me Entertain You“ von Robbie Williams ist zwar nicht wirklich Metal, beschreibt aber doch sehr treffend was im
Folgenden passieren wird. Während der zweieinhalbstündigen Show gelingt es Helloween, nicht für eine Minute Langeweile aufkommen zu lassen. Der Gesang ist mit Michael Kiske, Andi Deris und Kai Hansen gleich dreifach vertreten, wobei sich letzterer vorwiegend auf das Gitarrenspiel konzentriert. Jeder Abschnitt der Bandgeschichte ist damit gleichermaßen repräsentiert, was sich auch in der Setlist widerspiegelt und für jede Menge Abwechslung sorgt. Los geht es mit dem 10 minütigen „Halloween“, gefolgt von „Dr. Stein“. Einzelne Videoeinspielungen ziehen sich durch das Konzert, lockern das Set etwas auf und geben der Band kurz Zeit zum Durchatmen. Herausstechend ist vor allem die Hommage an Originaldrummer Ingo Schwichtenberg, der mit einem eingespielten Schlagzeug Solo gewürdigt wird. „Are You Metal?“, „If I Could Fly“ oder „Rise And Fall“ - Kiske und Deris lassen keine Wünsche offen und harmonieren dabei
hervorragend. Am Ende ist Zeit für zwei ausgedehnte Zugaben mit „Eagle Fly Free“, „Keeper of the
Seven Keys“ sowie dem großen Finale mit „Future World“ und „I Want Out“ - gefolgt von einem
Feuerwerk über den Hauptbühnen. Helloween setzen damit einen mehr als würdigen Schlusspunkt
und werden von den Fans im Infield dafür gefeiert.

Schlusspunkt ist möglicherweise etwas übertrieben. Auch wenn sich viele Besucher langsam zurück zu ihren Zelten begeben, ist das Festival noch nicht komplett zu Ende. Im Bullhead City Circus geht die Party noch etwas weiter und als Bonfire um halb ein Uhr Nachts die Bühne betreten, ist das Zelt auch noch durchaus gut gefüllt. Die Ingolstädter um Gitarrist Hans Ziller sind nun auch schon seit Mitte der 80er Jahre unter diesem Namen aktiv, haben allerdings in den letzten Jahren auf fast jeder Position einen Besetzungswechsel erlebt. Der Show hat das allerdings nicht geschadet: Bonfire spielen ein kompromissloses Hard Rock Set beim eindrucksvollem Sound und können damit auch zu später Stunde die Stimmung oben halten.

Etwas schade ist es, dass viele im Anschluss das Zelt verlassen und vor den Bühnen fast gähnende
Leere herrscht. Für Savage Messiah tut es mir fast ein wenig leid, dass die erste Reihe gerade so gefüllt ist, als sie ihr Konzert um kurz vor halb zwei beginnen. Der Band selber scheint es nur
wenig auszumachen - die Briten geben 45 Minuten Vollgas und Sänger Dave Silver betont, wie sehr sich die Band freut auf dem Festival zu spielen. Der klassische Heavy Metal mit einigen modernen Thrash Elementen kommt bei den wenigen Anwesenden auch äußerst gut an, die sich ebenfalls nicht an der geringen Zuschauerzahl zu stören scheinen. Savage Messiah spielen einen der besten Gigs des Festivals und man merkt, dass die Jungs richtig Lust auf diese Show haben. Vielleicht gilt ja auch in Wacken: „Die kleinsten Konzerte sind häufig auch die besseren“. Trotz des leeren Zeltes liefert dieses Konzert auf jeden Fall einen tollen Abschluss eines wieder einmal gelungenen Festivals.


Während ich es den anderen Besuchern gleichtue und mich langsam zu meinem Zelt aufmache,
beginnen im Infield schon die Abbauarbeiten. In den nächsten Wochen wird wieder Ruhe im beschaulichen Wacken einkehren, bevor im kommenden Jahr dann zum 30. Jubiläum wieder für
einige Tage der Ausnahmezustand in der Gemeinde ausbricht.

(Niklas Busch)