WACKEN OPEN AIR 2017

Auch 2017 stand die beschauliche Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein wieder für ein Wochenende unter dem Motto „Faster-Harder-Louder“.

Nur ein Wochenende? Nein, bereits Wochen im Voraus startete die Crew den Aufbau des insgesamt 280 Hektar großen Festivalgeländes und auch die Campingplätze wurden bereits ab Montag gefüllt. Besucher und Fans aus über 80 Nationen fanden in diesem Jahr den Weg in die norddeutsche Provinz, wie Veranstalter Thomas Jensen und Holger Hübner zu Beginn des Festivals verlauten ließen. Bereits zum zwölften Mal in Folge war das W:O:A auch in diesem Jahr restlos ausverkauft.

 

Über das Wetter musste sich auch in diesem Jahr niemand ernsthafte Gedanken machen, denn auf Regenfälle kann man sich in der Regel am ersten Augustwochenende in Norddeutschland verlassen.

Mit Regenjacke und Gummistiefeln ausgerüstet, ging es also am Mittwoch los in Richtung Wacken. Im Vergleich zu vergangenen Jahren waren die Autobahn und die übrigen Zufahrtswege nicht ganz so stark frequentiert und so verlief die Anreise überraschend entspannt und stressfrei. Spät dran war ich aber trotzdem - deshalb schnell das Zelt aufbauen und anschließend auf zum Festivalgelände, denn da war schon Einiges los.


Mittwoch

 

Eigentlich noch offizieller Anreisetag - wie jedes Jahr bot auch der Mittwoch schon die ersten Highlights des Wacken Open Airs. Mittlerweile als fester Bestandteil des Festivals spielten am Nachmittag im Bullhead-City-Circus Zelt die ersten Finalisten des „Metal Battle“, dem internationalen Newcomerband-Wettbewerb des Festivals. Die übrigen Bands konnten am Folgetag ihr Können vor internationalem Publikum unter Beweis stellen.

 

Als Gewinner ging in diesem Jahr die Formation Jet Jaguar aus Mexiko hervor, die sich gegen die zweitplazierte Band E-AN-NA (Rumänien) und Inferum (Niederlande) auf Platz 3, durchsetzen konnte.

 

Am Abend pilgerten dann immer mehr Fans vom Campingplatz zum Festivalgelände.

Um kurz nach 8 betraten die US-Rocker von Ugly Kid Joe die W.E.T.-Stage und freuten sich über den gut gefüllten Innenraum vor der Bühne.

Die Setlist der Amerikaner ließ keinen Klassiker vermissen und auch die Fans zeigten sich bei Songs wie „I’m Allright“ „Neighbor“ oder „Everything About You“ überraschend textsicher. Auch wenn sich die Musiker nicht mehr ganz so agil auf der Bühne bewegten wie früher, sah man ihnen doch an, dass sie mindestens genauso viel Spaß hatten wie ihre Fans.

Die Zwillingsbühnen ermöglichten einen fliegenden Wechsel der Bands; war eine Show zu Ende, begann kurz darauf die nächste.

Nebenan auf der Headbanger Stage wurde anschließend nämlich schon der Auftritt der kanadischen Thrash Metal-Institution Annihilator erwartet. Los ging es mit „Suicide Society“ und die Menge streckte der Band um Frontmann Jeff Waters ihre Fäuste entgegen. Bei Klassikern wie „King Of The Kill“ oder „Alison Hell“ gab es dann für viele kein Halten mehr und vor allem in den ersten Reihen wurde - passend zum Bühnennamen – kräftig das Haupthaar geschüttelt. Nach einer knappen Stunde war das Set vorbei und Annihilator haben gezeigt, warum der Besuch im Circus auch am Anreisetag jedes Jahr wieder lohnenswert ist.


Donnerstag

 

Der Donnerstag begann, wie man es in Wacken aus den vergangenen Jahren schon gewohnt ist, mit einigen kräftigen Regenschauern. Sind wir mal ehrlich: Ohne den Regen würde dem Festival vielleicht auch etwas fehlen. Im Infield hatten die Veranstalter im Vorfeld der Veranstaltung aufwendige Regenrückhaltebecken und Drainagen verlegt, um den Wassermassen in diesem Jahr Herr werden zu können. Von Erfolg gekrönt war das allerdings nicht wirklich, denn schon wenige Stunden nach Öffnung des Infields war von der einst grünen Wiese nur noch wenig zu sehen.

Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch, hatte man doch für die diesjährige „Night To Remember“ wieder ein amtliches Line-Up zusammengestellt:

 

Skyline, selbst aus Wacken, sind seit der ersten Ausgabe im Jahr 1989 fester Bestandteil des Festivals und eröffneten auch in diesem Jahr das Programm auf den Hauptbühnen.

Mit Coverversionen bekannter Rock- und Metalklassiker wurden die Besucher auf die kommenden Tage eingestimmt. Zum Schluss performte die Band mit Special Guest Doro Pesch außerdem die Wacken Hymne „We Are The Metalheads“ und den Warlock-Klassiker „All We Are“.

Auf der Harder-Stage machte sich währenddessen Ross The Boss bereit. Viele wussten wahrscheinlich gar nicht, dass hinter diesem Pseudonym Ross Friedmann, und damit eine echte Legende, auf der Bühne steht. Als Gründungsmitglied hatte Friedman den Sound Manowars bis zum sechsten Album Kings Of Metal mit geprägt. Jetzt kam er mit neuer Besetzung nach Wacken, um ausschließlich Songs aus eben jener Ära zu spielen. Und dieses „Manowar-Set“ kam gut an. „Blood Of The Kings“, „Blood Of My Enemies“ oder „Hail and Kill“, alles unsterbliche Kassiker, die das Metal-Herz höher schlagen ließen und die von Ross und seinen Begleitern durchaus hochwertig vorgetragen wurden. Etwas verwirrend war das Szenario nach der Show, bei der Ross The Boss in einer Art kurzer Zeremonie in die „Hall Of Heavy Metal History“ aufgenommen wurde.

Nachdem Anfang des Jahres gleich 4 der ursprünglich 5 Musikerinnen die Band verließen, war ich besonders gespannt auf den Auftritt von Thundermother im Biergarten. Sieht man darüber hinweg, dass die neue Besetzung um Gitarristin Filippa Nässil als einziges Originalmitglied genau genommen eine komplett andere Band abbildete als bei meiner letzten Begegnung mit Thundermother, war die Show wirklich klasse.

Die vier Frauen spielten klassischen Hard Rock, der teilweise verdächtig nach einer bekannten australischen Hard-Rock-Formation klingt. Begeistert zeigte sich die Frontfrau über den komplett gefüllten Biergarten und der wiederum zeigte sich begeistert über die Performance der Schwedinnen.

Filippa Nässil ließ es sich außerdem - trotz aufgeweichtem Boden vor der Bühne - nicht nehmen, bei ihrem Solopart durch die Menschenmenge zu laufen. Mit viel Matsch an Schuhen und Hose kehrte sie auf die Bühne zurück und ließ sich mit ihrer Band zum Abschluss des Konzerts feiern. Gitarrenmusik ist Männersache? Ganz sicher nicht - das haben Thundermother hier nochmals eindrucksvoll bewiesen. Wer das immer noch anders sieht, dem sei ein Konzert der vier Schwedinnen ans Herz gelegt...

Vor allem der Donnerstag erlaubte eigentlich nur wenige Pausen; auf der Hauptbühne ging es direkt weiter mit Europe. The Final Countdown, sicherlich der Song, der jedem Besucher ein Begriff ist, aber dass Europe noch einiges mehr zu bieten hat, zeigten sie bei ihrem einstündigen Festivalauftritt. Wirklich mitsingen konnten die meisten aber nur bei dem besagten Welthit. Das stellte aber kein sehr großes Problem dar, denn Leadsänger Joey Tempest bestritt seinen Posten auch über 30 Jahre nach dem Release des „The Final Countdown“-Albums, dessen Jubiläum die Band bereits letztes Jahr durch Europa führte, nach wie vor auf einem hohen Niveau. John Norum, Leadgitarrist der Band, konnte ebenfalls mit seinen technisch versierten Fähigkeiten beeindrucken.

Eines konnten Europe definitiv zeigen, und zwar, dass die Band weit mehr zu bieten hat als eben diesen einen Hit, der seit Jahrzehnten auf sämtlichen Radiosendern dieser Welt zu hören ist.

Nachdem Tod von Rick Parfitt im vergangenen Dezember, kam es für einige sicherlich überraschend, dass der Auftritt von Status Quo beim diesjährigen W:O:A: nicht abgesagt wurde. Seit den späten 1960er Jahren hatte vor allem das Duo Rick Parfitt und Francis Rossi die Musik der Band geprägt. Auch wenn Richie Malone als Ersatz einen wirklich sehr guten Job machte, zeigte sich dennoch, dass Status Quo jetzt etwas fehlt. Spaß gemacht hatte der Auftritt aber dennoch, obwohl vor allem Rossi teilweise etwas lustlos unterwegs war. Zu den härteren Klängen, die sonst das Festival bestimmten, boten die Engländer einen angenehmen Kontrast. Bekannte Klassiker wie „Rockin’ All Over World“ oder „Whatever You Want“ brachten darüberhinaus auch die teilweise mehr oder weniger ausgeprägten Tanzkünste einiger Besucher zum Vorschein.

Eine ganz besondere Show für die Night To Remember hatte in diesem Jahr Accept versprochen. Einen Tag vor dem Release des neuen Langspielers „The Rise Of Chaos“ plante die Band einen einzigartigen Festivalauftritt mit einem dreiteiligen Konzert. Im ersten Abschnitt stand die Band alleine auf der Bühne und hatte mit „Die By The Sword“ und „Koolaid“ erstmals auch Songs vom neuen Album in die Liveshow mitaufgenommen. Die restliche Songauswahl beschränkte sich an dieser Stelle noch auf vergleichsweise unbekannte Stücke, was zu eher verhaltenen Reaktionen im Publikum führte. Der zweite Teil stand unter dem Motto „Headbangers Symphony“. Wolf Hoffmann, Gitarrist und musikalischer Kopf der Band überführte zusammen mit dem Czech National Symphony Orchestra bekannte Stücke klassischer Komponisten von Mozart bis Tchaikovsky in ein neues härteres Gewand. Die Idee dahinter wirkte ganz nett, allerdings waren die Arrangements teilweise nicht vollständig ausreift und wirkten daher teilweise wenig authentisch. Anschließend betraten glücklicherweise auch die anderen Mitglieder wieder die Bühne, um zusammen mit dem Orchester ein „Best Of Programm“ abzuliefern.

Ob „Princess Of The Dawn“, „Metal Heart“ oder „Fast As A Shark“, Accept ließ an diesem Abend keinen ihrer Klassiker vermissen. Jeder Teil der Show bot sicherlich eigene Höhepunkte; aber wirklich begeistern konnten die Solinger das Publikum nur mit den bekannten Stücken im letzten Konzertabschnitt.

Mit dem Accept-Klassiker „Balls To The Ball“ fand die dann doch insgesamt gelungene Show ein würdiges Ende.

Die Night To Remember war damit aber noch nicht vorbei, denn auf der Harder-Stage wartete bereits der nächste große Name. Volbeat, ebenfalls mit neuem Album im Gepäck, sollte den Fans zum Schluss noch einmal einheizen. Das war für Frontmann Michael Poulsen dann auch nicht zu schwer, denn er hatte die Massen vor der Harder-Stage von Beginn an auf seiner Seite. Gut gelaunt spielten sich die Dänen durch ein mehr als 1 ½-stündiges Set, bei dem sowohl das aktuelle Album „Seal The Deal & Let’s Boogie“ mit sieben Songs beworben wurde, aber auch Hits wie „Fallen“, „Soulweeper“ oder „Still Counting“ nicht zu kurz kamen.

Nach dem Ende der Napalm Death-Show im Zelt, die zeitlich mit Volbeat begann, eilte deren Frontmann Barney Greenway zum Infield, um rechtzeitig für „Evelyn“ auf der Hauptbühne stehen zu können. Bereits auf der Aufnahme hatte Greenway die Vocals für den Song eingesungen und so liess er sich es auch nicht nehmen, die Live-Performance der Band zu unterstützen. Volbeat, mittlerweile zum vierten Mal in Wacken, sind in den letzten Jahren zu einer Band in Headlinergröße herangewachsen. Einerseits konnten die Dänen gefühlt noch mehr Publikum ins Infield locken als Accept andererseits konnte auch die Bühnenshow mittlerweile mit den Produktionen der ganz großen Bands mithalten. Die Fans in Wacken hatten auf jeden Fall mächtig Spaß und konnten das Gelände am Ende des Tages bestens gelaunt verlassen.

Während im Infield bereits die Vorbereitungen für den nächsten Tag anliefen, war auf den kleinen Bühnen noch das eine oder andere Highlight zu sehen.

Im Zelt gab es zum Abschluss des Tages noch ein kleines und feines Kontrastprogramm zu den Bands auf den Hauptbühnen.

Als Teil der Night to Dismember waren Nile einer der letzten Programmpunkte am Donnerstag. In dem immer noch gut gefüllten Bullhead-City-Zelt präsentierten die Amerikaner anspruchsvollen Technical Death Metal mit hörbaren ägyptischen Einflüssen. Vor allem bei den Fans etwas härterer Stilrichtungen konnten Nile nach dieser Show sicher einen bleibenden Eindruck hinterlassen.


Freitag

 

Früh am morgen machte ich mich über den Campingplatz auf den Weg zum Festivalgelände. Die befestigten Wege, die in diesem Jahr von den Veranstaltern angelegt wurden, erleichterten das Ganze nach den Regenfällen erheblich.

Wer das Trio von Kadavar sehen wollte, musste am Freitag ebenfalls früh aufstehen, denn die Berliner sollten bereits den ersten Slot des Tages um 11 Uhr spielen. Zugegeben, kurz bevor die Band loslegte, war es noch relativ leer vor der Louder-Stage und so war problemlos noch ein Platz in den ersten Reihen zu bekommen. Das änderte sich allerdings sehr schnell nachdem Kadavar die Bühne betreten hatten. Der klassische Stoner Rock-Sound fand schnell Anklang und viele neugierige Zuhörer fanden sich vor der Bühne ein. Outfits und Musik ließen die Band fast wie Zeitreisende wirken, die so auch in den 1970er Jahren hätten aktiv sein können. Die Berliner lieferten ein solides und musikalisch einwandfreies Set ab, allerdings war es natürlich schwer, um diese Uhrzeit auf einer so großen Bühne Stimmung zu machen. Erschwerend kam außerdem hinzu, dass nicht wenige die Band vorher möglicherweise noch gar nicht kannten. In kleinen Hallen oder Clubs konnten die Berliner bis jetzt noch immer überzeugen und so wäre es eine Überlegung wert, die Band bei ihrem nächsten Auftritt in Wacken auf einer der beiden Zeltbühnen zu platzieren.

Als nächstes auf dem Plan standen Skull Fist. „Shred’s not dead“ ist das Motto der Kanadier und genauso präsentierten sie sich auch auf der W.E.T.-Stage. Das optische Auftreten der ausschließlich langhaarigen Bandmitglieder ließ direkt vermuten, was da gleich auf der Bühne bevorstehen würde. Die Kanadier spielten klassischen Heavy Metal im Stil der 1980er Jahre, der sich vor allem durch den hohen Gesang, einprägsame Gitarrenriffs und Schlagzeug-Fills sowie verdammt schnelle Soli auszeichnete. Während des Intros -noch bevor Skull Fist die Bühne betraten - wurde von den Anwesenden im Zelt zur Einstimmung vorweg der Refrain zu „Sign Of The Warrior“ angestimmt. Die Kanadier stürmten anschließend die Bühne und „schredderten“ sich durch ein wildes Set, das im Publikum durchweg auf positive Resonanz stieß.

Mit Kissin’ Dynamite ging es auf der Headbangers Stage auch gleich ähnlich energetisch weiter. Auch für diese Combo hier hieß es für 45 Minuten Vollgas geben und das kam bei den Zuschauern, die in beachtlicher Menge erschienen waren, auch an. Vor allem bei bekannteren Stücken wie „DNA“ oder „Money, Sex & Power“ zeigten sich diese darüberhinaus auch besonders textsicher. Die Jungs aus dem Schwabenländle hatten sichtlich Spaß bei ihrer ersten Erfahrung in Wacken und verließen nach „I Will Be King“ umjubelt die Bühne.

Nach zwei mitreißenden Zeltshows ging es wieder ins Infield, um den Auftritt von Sonata Arctica nicht zu verpassen. Am Nachmittag waren bereits viele Fans gekommen, um den Auftritt der Power Metal Band zu verfolgen. Besonders auffällig war auch an diesem Tag Sänger Tony Kakko. Der charismatische Finne konnte gesanglich auf ganzer Linie überzeugen und schnell eine starke Verbindung zum Publikum aufbauen, welches ihn beim Gesang tatkräftig unterstützte. Aber auch die übrigen Bandmitglieder konnten mit ihren Fertigkeiten an den Instrumenten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nicht nur im Studio zeigten sich Trivium in der Vergangenheit experimentierfreudig und wandlungsfähig, sondern auch live schaffte es das Quartett wieder eine Setlist zusammenzustellen, welche die verschiedenen Entwicklungsstufen der Bandgeschichte abbildete. Einen einheitlichen Genrebegriff suchte man bei Trivium vergeblich, denn die Band vereint verschiedene Stilrichtungen und konnte sich auf den letzten Veröffentlichungen immer wieder neu erfinden – Thrash Metal, Metalcore oder Modern Metal - die Kalifornier decken scheinbar alles ab. Mit dem Opener „Rain“ vom zweiten Album „Ascendancy“ legten Trivium los und spätestens mit „Watch The World Burn“ konnte Frontmann Matt Heafey dann auch endlich das Publikum angemessen einbinden. Die Fans vor der Bühne zeigten sich teilweise überaus textsicher, während die Band sich einmal quer durch ihre Diskographie spielte.

Auf der Headbangers Stage ging es direkt weiter mit Trash Metal von Sacred Reich und die haben in diesem Jahr etwas zu feiern. Die US-Amerikaner sind nämlich 2017 in Europa unterwegs um das 30 jährige Jubiläum ihres Debüt-Albums Ignorance zu zelebrieren. Auch heute sieht man dem Quartett aus Arizona noch an, wie viel Spaß sie bei ihren Liveauftritten haben. Zwar gab es in den vergangenen Jahren kein neues Material mehr, allerdings boten die Platten der 80er und 90er Jahre ausreichend Material um die Show in Wacken angemessen zu füllen. Von Beginn an konnten die motivierten Amerikaner ihre Stimmung auf das Publikum im Bullhead-City-Zelt übertragen und mit kompromisslosem Thrash Metal voll überzeugen und bei „Surf Nicaragua“ schrie dann auch jeder mit.

Nebenan gab es anschließend ein Highlight für alle Prog-Fans. Die legendären Fates Warning gaben sich auf der W.E.T.-Stage die Ehre und konnten vor allem Anhänger anspruchsvoller Kompositionen überzeugen.

Fates Warning, deren Songs sich vor allem durch komplexe Melodien, häufige Tempowechsel und das hohe technische Niveau der einzelnen Instrumentalisten, schafften es in 45 Minuten einen der musikalisch hochwertigsten Auftritte des diesjährigen Festivals zu liefern.

 

Zum Abschluss des Tages ging es dann nochmal ins Infield für den mit Spannung erwarteten Headliner-Gig von Megadeth. Nach kurzem Intro legte das Quartett um Dave Mustaine mit Hangar 18 los, wobei schnell klar wurde, dass dieser an diesem Tag nicht unbedingt seine Sternstunde hatte. Das soll nicht bedeuten, dass Megadeth keinen guten Gig gespielt haben, Mustaine hatte aber auch in der jüngeren Vergangenheit schon deutlich bessere Gesangsleistungen abgeliefert. Gestört hat das aber nur wenige seiner Anhänger und so wurden Megadeth von „Tornado Of Souls“ über „Peace Sells“ bis „Holy Wars“ lautstark von ihren Fans unterstützt. Auffällig waren auch die Videoeinspielungen vor und während einzelnen Songs, etwa bei „Symphony Of Destruction“, mit denen der politische Unterton der Texte untermauert wurde. Trotz der nur mäßigen Gesangsleistung von Dave Mustaine war es ein insgesamt sehr solider Gig, der dem Headliner-Status der Band letztendlich auch gerecht wurde.


Samstag

 

Circle Pits oder ähnliches waren, dem Schlamm geschuldet, an diesem Wochenende ein eher selteneres Phänomen; für die Thüringer Metalcore-Formation Heaven Shall Burn ein unhaltbarer Zustand. Fortlaufend wurde das Publikum von Frontmann Marcus Bischoff zur Bewegung animiert. Vor dem Hintergrund eines Atomlagers absolvierten Heaven Shall Burn hochmotiviert ihren einstündigen Auftritt, bei dem sämtliche Core-Fans definitiv auf ihre Kosten kamen.

Ob Guillotine oder Elektroschocks, Alice Cooper kam bei seiner Show auf der Bühne nicht nur einmal ums Leben. Der Schock-Rocker wusste seine Gruselshow perfekt zu inszenieren. Bei „Feed My Frankenstein“ verwandelte er sich unter Stromzufuhr in ein riesiges Abbild der Horrorvorlage und wurde einige Songs später in Zwangsjacke zu einem fallenden Beil geführt. Die Fans bejubelten den abgetrennten Kopf des Sängers, der wenig später wieder putzmunter auf der Bühne stand. Das Visuelle begeisterte natürlich, aber auch musikalisch konnte das Bühnengeschehen voll und ganz überzeugen. Schon bei der Pressekonferenz bezeichnete Cooper seine Mitstreiter als „beste Tour-Band“ mit der er jemals zusammen gespielt habe. Nachdem Gitarristin Nita Strauss die ersten Töne zum Dauerbrenner „Poison“ anschlug, gab es dann für viele kein Halten mehr und die Fans vor der Bühne feierten Alice Cooper und seine Band und verließen nach „Schools Out“, einem weiteren Welthit, die Bühne.

Zum Abschluss gab es noch eine Coverversion von Motörheads „Ace Of Spades“, um den verstorbenen Lemmy Kilmister zu ehren. Leider war das Konzert etwas kurz, denn nach etwa einer Stunde und fünfzehn Minuten war alles vorbei und auch die Fans vor der Bühne hätten sich sicherlich noch ein paar Minuten mehr gewünscht.

Vor der Faster-Stage wurde es danach nochmal richtig heiß. Die Viking-Metaller von Amon Amarth hatten auch dieses Jahr wieder jede Menge Pyrotechnik im Gepäck,die sie auf der Bühne großzügig einsetzten. Die Schweden, mittlerweile Dauergast in Wacken, konnten auch dieses Jahr wieder eine Vielzahl von Anhängern im Infield versammeln,die über die gesamte Dauer des Auftritts bereitwillig ihre langen Haare schüttelten. Wichtig war natürlich auch der Showaspekt und so gab es neben den obligatorischen Flammenwerfern auch einen Drachen und inszenierte Schwertkämpfe auf der Bühne. In der Mitte des Sets ließ sich Sänger Johann Hegg außerdem ein riesiges Trinkhorn auf die Bühne bringen, mit dem er zusammen mit den Fans auf einen gelungenen Abend anstoßen konnte. Neben den Klassikern wie „Twilight Of The Thundergod“ oder „The Pursuit Of Vikings“, gab es für den Song „A Dream That Cannot Be“ ein Duett mit Doro Pesch. Deren klare, hohe Stimme harmonierte überraschend gut mit den tiefen Growls des schwedischen Frontmanns. Sowohl visuell, als auch musikalisch konnten Amon Amarth auf ganzer Linie überzeugen.

 

Nachdem Metal-Legende Steve Harris letztes Jahr mit Iron Maiden einen gefeierten Headliner-Aufritt auf der großen Bühne absolvierte, kehrte er dieses Jahr für einen Auftritt mit seinem Nebenprojekt British Lion nach Wacken zurück. Mit dem selbstbetitelten (und bisher einzigen) Studioalbum konnten die Briten sowohl Kritiker als auch Maiden Fans nur mäßig überzeugen; bei den Live Shows von British Lion, unter anderem auch in Wacken, konnte man aber einen anderen Trend beobachten. Die Songs wirkten insgesamt deutlich druckvoller als auf dem Album und vor allem Sänger Richard Taylor konnte auf der Bühne im Vergleich zur Platte überzeugen. Auf Iron Maiden Songs wartete man vergeblich, denn British Lion sind keine Coverband und dafür war Steve Harris auch in den vergangen zwei Jahren auf ausgedehnter Welttournee gewesen. Der Stimmung vor der Headbangers Stage schadete das auch nicht und auch wenn die Fans nicht so textsicher schienen wie bei Iron Maiden vor einem Jahr, wurden Steve Harris British Lion nach ihrem einstündigen Set ausgiebig gefeiert.

Langsam neigte sich auch der letzte Festivaltag dem Ende zu. Sehr schade fand ich die Tatsache, dass beim Auftritt von Kreator das Infield schon ungewöhnlich leer war. Ob das mit der allgemeinen Aufbruchsstimmung oder dem einsetzenden Regen zusammenhing, bleibt offen. Diejenigen, die geblieben sind, dürften es aber auf keinen Fall bereut haben. Die Fans trotzten dem Wetter und feierten die Essener über die gesamte Dauer der überzeugenden Show und vereinzelt sah man sogar zu später Stunde noch einige Mosh Pits. Die deutsche Trash-Legende gab zum Abschluss des diesjährigen Wacken Open Airs noch einmal alles und konnte vor allem auch mit Songs aus dem neuen Album „Gods Of Violence“ überzeugen. Aber auch älteres Material fand natürlich den Weg in die Setlist. Mit „Violent Revolution“ und „Pleasure To Kill“ endete das Set und Kreator setzten dem diesjährigen Wacken Open Air ein angemessenes Ende.

(Niklas Busch)