WACKEN OPEN AIR 2016

Das WOA 2016 stand auch diesmal unter keinem guten Stern, was das Wetter betraf. Wenn auch nicht ganz so dramatisch wie im Vorjahr, gab es auch diesmal wieder einige rutschige und matschige Wege, die teilweise nicht begehbar waren. Die Zeltplätze sahen auch zum Teil recht wüst aus, aber die Festival Orga tat ihr bestes und menschenmöglichstes, um diesem Zustand Herr zu werden.

Aber genug zum Wetter, kommen wir zum wichtigen Teil: der Musik und den Fans!

Auch hier konnte das Festival wieder auf voller Linie punkten! Ein grandioses Lineup machte ja schon im Verlauf des Jahres den Mund immer wässriger. Ob es nun um Bands geht, wie zum Beispiel die Newcomer THE RAVEN AGE, die die Bühne im Zelt rocken konnten und die Stimmung auf dem Festival ordentlich zum kochen brachten, oder ob die folgenden THE OTHER, die die andere Bühne des Zelts bespielten und schon ein paar Mal on Wacken aufgetreten sind. Jeder Fan kommt bei diesem Festival auf seine Kosten.

Natürlich waren die drei Hauptbühnen im Infield am besten besucht - Saxon und Foreigner spielten beide Donnerstag Mittag auf der Blackstage, da die True Metal Stage den ganzen Tag für Iron Maiden ausgeblockt war. Dementsprechend war auch viel Publikum anwesend. Saxon hatte zuvor schon in einer Pressekonferenz eine Live-DVD/CD angekündigt und verkündete dieses auch nochmal live auf der Bühne - denn wo könnte man das besser bewerben als auf DEM Matalfestival? Die Front von Foreigner heizte die Menge ordentlich an - trotz zwischenzeitlichem Regen schienen Band und Menge Spaß am Auftritt zu haben, grade bei Klassikern wie "Cold as Ice" und "I want to know what love is" - welche auch der letzte Metalhead kennen sollte.

 

Die obersten Headliner des Festivals waren natürlich IRON MAIDEN, die geschlagene zwei Stunden die Hauptbühne des Festivals beschallten und die Fans alle vor die Hauptbühne zogen. Die Briten, die gerade mit ihrem aktuellen Album "The Book Of Souls" um die Welt zogen und dabei auch diverse Festivals bespielten, nahmen das Wacken Open Air als letzten Stop dieses Teils der Tour und konnten hier alle von ihrer Power überzeugen. Trotz hohem Alter bringt die Band noch immer jede Menge spielfreude mit und auch die neuen Lieder können was die Band schon immer versprochen hat. 100 % Maiden, 100 % Metal.

Die deutsche post-industrial Band 'Die Krupps' überzeugten im Zelt mit etwas härteren Klängen. Der Frontmann Jürgen Engler gibt mit seinen 56 Jahren immernoch alles auf der Bühne - und das merkt man auch an der Stimmung im Publikum. Das Highlight der Show ist die Stahltrommel, ein Instrument aus Stahlröhren. Passend zum Bandnamen, der sich von der Firma Krupp-Stahl abgeleitet hat.

 

Auf der Hauptbühne spielten Freitag Nachmitag Bullet for my Valentine. Nach Festivals wie Rock am Ring und dem Chicargo Open Air beehrten sie dieses Jahr auch das WoA. Man merkte gut, wie viel Lust dieser Band Liveauftritte machen. Im November kommt BFMV dann auch nochmal mit 5 Daten nach Deutschland. Wer sie noch nicht gesehen hat, sollte das meiner Meinung nach in Erwägung ziehen!

 

Ganz andere Klänge zog die Band Eluveitie auf - Keltische Musik mit Flöten, Gaige und Mandola begeisterten sie die Fans auf der Blackstage. Die vielseitigkeit und besonderheit dieser Instrumentkonstellation scheint gut anzukommen - Es zog viele Fans auf das Infield um die Schweizer Band zu sehen. Dennoch war die Gaigistin bei näherer und längerer Betrachtung entweder schlecht gelaunt, oder nicht motiviert genug. Das wirkte sich meiner Meinung nach sehr auf die Gesamtstimmung aus.

 

Und auch Altmeister AXEL RUDI PELL bringt immer noch eine Hammer Show auf jede Bühne und rockte die Mainstage in Wacken bis hum äußersten! Vorallem Johnny Gioeli wirbelte wie gewohnt von Links nach Rechts über die Bretter und war kaum zu bändigen. Selbst Balladen bekommen bei seinem Engagement eine richtige Power, trotz gefühlvollen Gesang.

Einen absolut krönenden Abschluß des Tages bildeten BLIND GUARDIAN als Headliner auf der True Stage. Hier wurden natürlich Songs aus allen Zeiten der Bandgeschichte gespielt und ob alt oder neu, die Fans konnten natürlich immer mitsingen und hatten Spaß. Einzig verwundet hatte mich hier nur, dass scheinbar auf Wacken nicht wirklich zu The Bards Song mitgesungen wird, oder zumindest hörte man es von unserem Standpunkt aus nicht. Dies machte einen merkwürdigen Eindruck, aber die Band gab alles und lieferte eine gewohnt gute Show ab. Immer wieder eine Freude das live zu sehen!

Samstags begann der Tag gut mit Eskimo Callboy auf der Partystage. Diese Bühne machte mir immer besonders viel Spaß, denn in den auf und Umbauzeiten heizten die Secutities die Stimmung ordentlich ein - mal mit Megafonen, mal indem sie Eis in die Menge warfen - einzigartig, da dies bei den Hauptbühnen mit den Massen kaum möglich war. Bei der Partystage war so vor dem Auftritt von Eskimo Callboy also schon bomben Stimmung, die Fans waren gut drauf und Mädchen kreischten der jungen Männerband entgegen. Auch der Auftritt der Jungs machte viel Spaß beim zusehen. Sie witzelten zwischen den Songs rum, dass ihnen ja noch ein Bier fehlen würde, woraufhin sich die Sidecrew nicht lumpen lies und kurzerhand ein Bier in die Bühnenshow reichte.

 

Parallel konnten dazu THERION auf der Black Stage die Fans beglücken. Liebliche Gesänge der beiden Frauen bei schönem Wetter, was will man mehr? Auch wenn eine der Damen immer wiedr Probleme mit ihrem Hosenstall hatte, war die Show trotzdem gut und auch sonst unterhaltend. Wer - wie ich - im Zelt eigentlich auch Snowy Shaw sehen wollte, diesen aber verpasst hat, um bei Therion auf der Mainstage zu sein, der konnte ein wenig getröstet werden. Von der einen Bühne zu anderen und siehe da: Snowy Shaw begleitet die Band bei ein paar Stücken und so hatten alle etwas davon.

 

Mittags spielte dann auf der Partystage Callejon, die natürlich ein ähnlich gut gelauntes Publikum hatten. "Crowdsurfing ist offiziell erlaubt..!" wurde vor der Show noch via Megafon der Securities bekanntgegeben - Was eine wilkommene Einladung für die Zuschauer war. Auch hier versprach der Name der Bühne nicht zu viel - es wurde ordentlich eingeheitzt, vor und während der Show.

 

Ähnlich viel Party nur mit bedeutend mehr Oberkörper freien Zuschauerinnen boten STEEL PANTHER auf der True Metal Stage am Nachmittag. Die Show glich bandtypisch eher einem comedy Auftritt, als einer Festivalperformance. Hochgradig verkleidet und hergerichtet witzelt die Band zwischen den Songs über die jeweils gegenseitigen Rollen - Wie Lexxi Foxx, die wie als Frau hergerichtet immerwieder in ihren pinken Handspiegel sah und sich den Lippenstift nachzog oder Haarspray in die Haare sprühte. Penishumor und Witzchen auf fremde Kosten kamen beim Publikum gut an, auch, wenn dadurch die Pause zwischen zwei Liedern mal gut 5 Minuten lang wurde.

Ein weiteres Highlight beim diesjährigen Fesitval war wohl der Auftritt von TWISTED SISTER, die zu diesem Zeitpunkt auf Abschiedstour waren. 40 And Fuck It - so der Titel der Tour. Und auch bei dieser Band ist das Alter eigentlich kein Grund um sich zur Ruhe zu setzen. Dee Snider war aufgedreht und gut gelaunt wie immer und die Band lieferte ein Megahit nach dem anderen ab. Die Fans tobten und wollten die Band eigentlich gar nicht gehen lassen. Die super Lichtshow, die sich mit odentlich Pyrotechnik abwechselte, machte das Konzert zu einem Spektakel, das seines gleichen sucht! Sehr schade, dass man nicht mehr die Gelegenheit haben wird um TWISTED SISTER live zu sehen, aber alle guten Dinge müssen mal zu Ende gehen.

Samstag abend dann für viele ein Highlight: ARCH ENEMY. Mit großem aufwendigem Bühnenaufbau und abwechslungsreicher Licht und Feuershow machten sie viel Eindruck. Wo andere Band sich lediglich ein Banner in den Hintergrund hängen schienen ARCH ENEMY dank Banner und Banden in einer Kathedrale zu spielen. Dazu das grandiose Outfit der Frontfrau Alissa White-Gluz und das Bild war Perfekt. Hier wurde auch die Live DVD As The Stages Burn aufgezeichnet, die dann in Kürze erscheinen soll. Entsprechend energiegeladen war dazu auch der Auftritt der Band. Die beste Show, die ich von ihnen bisher gesehen habe. Absolut spitzenklasse!

 

Das Wochenende immer wieder spielten die Red hot chilli Pipers auf der Wackinger Stage. Sie Covern und spielen eigene Songs auf drei Dudelsäcken, begleitet von Gitarre und Schlagzeug - Sehr vielversprechend und hält auch sehr viel davon. Jedoch sollte man den Klang der Dudelsäcke schon mögen, da das auch die bekannten Klänge von beispielsweise Avicii oder Queen nicht wett machen - Dudelsack bleibt Dudelsack. Auch wenn man stellenweise das Gefühl hat, dass sich Passagen oft wiederholen macht das gute Laune - Man kann dazu sogar Tanzen (Und damit meine ich nicht Moshen..!)! Alles in allem eine tolle Show, wo ich verstehen kann, dass auch während auf der Hauptbühne Blind Guardian spielen, viele Leute vor der Wackingerstage drängeln um sich dieses Spektakel anzusehen.

(Sarah Jacob / Sabrina Walter)