ROCK HARD FESTIVAL 2014 - Gelsenkirchen, Amphitheater (D)

An Pfingsten gibt es eigentlich nur einen Termin, der Pflicht ist! Das Rock Hard Festival im Gelsenkirchener Amphitheater. Das dachten es sich auch viele andere Metaller und so kam es dann, dass sich die - meist schwarze - Meute auf dem Gelände einfand. Und das bei mehr als bestem Festivalwetter!

Die Sonne knallte unermüdlich bei gefühlten 35 Grad auf das Gelände runter, was ein Mangel an Schattenplätzen viele Menschen zum "Gruppenkuscheln" animierte.

2014-06-06 - Tag 1

Traditionell beginnt das Rock Hard Festival mit einer Trash Metal Band. In diesem Jahr dürfen NOCTURNAL als erste die Bühne betreten. "Perish In DArkness", "Disgracer", "Taken By Fire", oder "Tyrants Of Damnation" und "Rising Demons" sind nur ein paar der Songs , die gespeilt wurden. Dass die Band diese Musik nicht nur einfach so macht, sondern sie auch lebt, kann man förmlich spüren und so macht es sehr viel Spaß dieser Show zu folgen. Ein gelungener Start in das Festival!

Gute Musik zum chillen kommt im Anschluss von ZODIAC.So bot diese Band nach dem harten Anfang eine musikalische Verschnaufspause mit gut umgesetzem Hard/Blues Rock. Gefüht zog sich die Show etwas in die Länge, was vermutlich daran lag, dass das Tempo nicht mehr ganz so hoch war wie bei der vorangegangenen Band. Nichts desto trotz kommten Zodiac mit Songs wie "Downtown", "Cortez The Killer" oder "Coming Home" in ihrem kurzen Set die Anhänger dieser Musik überzeugen.

Mit DECAPITATED ging es nun auch gleich wieder zur Sache. Ein Besucher sagte etwas von "viel Geschrammel und Action auf der Bühne" und ich denke, das kann man fast so stehen lassen. Die musikalische vielfast ist ja bekanntlich grenzenlos und so können die "enthaupteted" Death Metaller auch mit ihrer Musik neue Fans gewinnen. "Lying And Weak", "Pest", "A View From A Hole" und "Carnival Is Forever" heizten dem Publikum zusätzlich zur eh schon hohen Temperatur noch zusätzlich ein und so gab es bis zum Schlußtrack "Spheres Of Madness" kaum ein Halten.

Rotzrock vom Feinsten kam nun von MIDNIGHT. Viel rumgehüpfe und gerenne auf der Bühne, es sitzt nicht jeder Ton perfekt, aber sch**ß drauf, so muss das eben auch mal sein. Der ein oder andere guckt sich die Band recht interessiert an und ich denke, dass die Mannen aus Ohio auch einige neue Fans gewinnen konnten. Was ein Festival doch alles schönes mit sich bringt. "Vomit Queens", "All Hail Hell", "You Can't Stop Steel", oder "Unholy And Rotten"... Ja, danke. Passt. So kann man sich auch etwas vorstellen, was da so bei einem Auftritt los ist.

Vorletzter Act des Abends waren DIE APOKALYPTISCHEN REITER. Mit neuem Album im Gepäck, beglücken Sie die Fans mit ihrer "Gemischt-Metal-Musik". Man mag sie, oder man mag sie nicht. Vor der Bühne füllte sich der Zuschauerraum und auch die Ränge rings herum waren gut besetzt.

"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", "Ein Leichtes Mädchen", "Hört auf", "Es wird schlimmer", "Adrenalin", "Reitermania", oder "Du kleiner Wicht" waren ein paar der gespielten Songs. Die Menge hüpfte und feierte die Band.

Zum Abschluß des Abends: TRIPTYKON. Gefühlt klang die komplette Show wie ein einziges Lied in dem Sänger Tom Warrior wie angewurzelt vor dem Mirkophon steht und sich kaum rührt. Der einzige Hauch von Action auf der Bühne kommt von Bassistin Vanja Slajh, die zum Takt der nicht sehr schnellen Musik ein wenig hin und her wippt und dabei böse guckt. Eine Songauswahl die "Black Snow", "Abyss Within My Soul", "Visions Of Mortality", oder auch "Messiah" beinhaltet, kommt doch mehr oder weniger gut beim Publikum an. Die Musik mag wirklich gut sein, leider kam das hier live nicht wirklich rüber. Für einen Tagesheadliner könnte man schon etwas mehr Stimmung gebrauchen, außer man möchte nicht, dass die Fans zu "aufgewühlt" vom Gelände gehen...


2014-06-07 - Tag 2

In Rheinland Pfalz rockt man schon zu nachtschlafender Zeit... Fast nur so kann man es sich erklären, dass die ROXXCALIBUR bereits um die Mittagszeit voll bock auf das Konzert haben und fit wie ein Turnschuh - im Gegensatz zu den Besuchern - auf der Bühne stehen. Diese exzellete Tribute Band zelebriert die NWOBHM mit einigen Schmankerl der Musikgeschichte und rockt die anwesende Meute ordentlich! Das macht doch Lust auf mehr Musik! So kann man in den Tag starten!

DEAD LORD - Thin Lizzy lässt grüßen! Und genau so fiedeln sich die Schweden die Melodien über die 6-Saiter und somit auch durch ihr Set aus Songs wie "No Prayers Can Help You Now", "Ruins", "Lugna" und auch "Hammer To The Heart". Gehüllt in den eingangs erwähnten Musikstil der 70er Jahre, lassen es die Mannen gut abgehen. In den knapp 40 Minuten Spielzeit bekam man nun keine überwältigenden Innovationen an Gitarren zu hören, aber die Hauptsache ist ja, dass das "alt bekannte" gut gemacht wurde!

Nicht, dass man bei diesem Festival eine Invasion befüchten müsste. Aber als nächster Act gibt es SCREAMER aus... Schweden! Wer hätte das gedacht! Auch etwas "altbacken", dennoch nicht ganz so nostalgisch wie bei der vorherigen Band, ging es nun mit feinem Old School Metal zur Sache. Da sich das eigentliche Lineup etwas verkracht hatte und Sänger Christoffer Svensson "aus den Staub" machte, musste nun kurzfristig Ersatz gefunden werden. Dieser wurde auch in Oskar Andersson gefunden, allerdings machte sich dies auch im Gesang bemerkbar. Hier und da saß der Text dann doch noch nicht so 100%ig, aber das kann man ihm wohl verzeihen.

Der nächste "Stimmungskiller" des Festivals... Eigentlich machen SÓLSTAFIR aus Island gute Musik, aber in dieser Konstellation konnte das leider nicht wirklich klappen. Man mag es mit verzeihen, oder auch nicht, aber wenn solche Bands zwischen echt rockende Acts gesetzt werden, kann es leider nur schief gehen. Dies machte sich auch im Publikum bemerkbar. War es die Uhrzeit, lag es am Wetter, dies mochte auch alles seine Rolle gespielt haben. Leider sprang der Funke hier nur bedingt über und es waren anscheinend nicht so überragend viele Fans der Band vor Ort, die die Stimmung noch ordentlich aufheizen konnten. Schade, aber ich gebe der Band zu anderer Zeit und an einem anderen Ort gerne noch eine Chance mich zu überzeugen. Der Ansatz dazu war zumindest schon mal da.

PRETTY MAIDS - ein weiterer Überfall aus Skandinavien. Diesmal: Dänemark! Nun sind wir ja hier nicht im Erdkundeunterricht, sondern im Musikunterricht... Wer sich mit eben dieser etwas beschäftigt, weiß, dass auch Skandinavien viele gute Bands kommen. Dazu gehören auch die alten Hasen im Geschäft. Pretty Maids gibt es nun auch schon ein paar Tage, jedoch haben sie in keinster Weise etwas von ihrer musikalischen Kraft verloren. Wenn es auch Besetzungswechsel gab, was bei dieser langen Zeit des Bestehens durchaus natürlich ist, so ist auch das Aktuellste Werk wieder ein Ohrenschmaus.

Ein bischen Krach muss auch mal sein! Eine Rarität auf dem Rock Hard Festival dürften daher die Death Metaller von OBITUARY sein. Selten hat man hier wohl solch klassisch, harte Klänge gehört. Auch wenn es diese Formation ebenfalls schon eine Weile gibt, haben die US-Amerikaner einen guten Wechsel aus Tempo und Melodie in ihren Songs verarbeitet, sodass es kein stupides runtergeknüppel der Songs wird. "Intoxicated", "Visions In My Head", "Back To One" oder auch der Klassiker "Slowly We Rot" fanden rege Begeisterung bei den Fans und es wurde ordentlich gemosht was das Zeug hält. Nackenschmerzen lassen grüßen!

SACRED REICH - eine der Bands, die "unmetallischer" nicht aussehen könnte. So die Worte von Sänger Phil Rind. Auf Trash ist jedoch Verlass - egal wie die Verpackung aussieht - auf die Musik kommt es an! Die Fans fanden die Show einfach nur geil, Crowdsurfing ist wohl eine neue Trendsportart - mittlerweile auch bei Frauen immer beliebter und so konnte die Band nebst den eigenen Songs wie "Ignorance", "Death Squad" und "Who's To Blame", auch mit den Black Sabbath Stücken "War Pigs" und "Paranoid" begeistern. Daneben möchte ich noch anmerken, dass hier ebenso viele "Shits" und "Fucks" gefallen sein mögen, wie bei einem Manowar-Konzert. Es war also für jeden etwas dabei!

Die Reunion von CARCASS war so mit eines der Highlights der Szene aus den jüngst vergangenen Zeiten! Mit dem aktuellen Album "Surgical Steel" spielten sie sich erneut an die Spitze zurück und konnten dies auch gleich auf dem Rock Hard Festival als Samstagsheadliner beweisen! Mit Videoleinwand, Lightshow und Nebel brachten sie das Publikum in eine rechte Stimmung für ihre Show. Die alten Zeiten sind vorbei - so klingt nun auch das neue Material etwas anders, trotzdem immer noch gut. Leider lieferte die Band eine nicht ganz so energiegeladene Show ab wie Sacred Reich, jedoch gab altes und neues Material in Form von "Buried Dreams", "No Love Lost", "Keep On Rotting In The Free World" und auch "Heartwork" viel Anlass zur Freude.


2014-06-08 - Tag 3

Pünktlich zum Regenschauer um 12:00 mittags betritt die deutsche Heavy/Power Metal-Formation IRON SAVIOR die Bühne. Und so kam am letzten Festivaltag direkt die gute Stimmung auf. Ob Songs wie "Last Hero", "Starlight" oder "Burning Heart", die einzig wahre Hymne kann doch eigentlich nur der Song "Heavy Metal Never Dies" sein! Und so war auch die Band bester Laune und brachte voller Charme mit dem ein oder anderen Spruch nicht nur die Musik an den Mann, bzw. die Frau, sondern auch die gute Laune und das schöne Wetter nach Gelsenkirchen!

 

Die BLUES PILLS aus Schweden versetzen den Festivalgast gefühlt ein paar Jahrzehnte in der Zeit zurück. Sauberer Bluesrock der 60er/70er Jahre á la Fleetwood Mac oder Grand Funk Railroad mit Souligem Gesang ertönt aus den Boxentürmen. "High Class Woman", "No Hope Left For Me" oder auch der Titeltrack des 2012er Albums "Black Smoke", fanden regen Anklang bei den Fans. Für mich war diese Band - wenn sie auch wirklich gute Musik machen - leider etwas deplatziert. Zwischen der vorherigen Power Metal Band und den darauf folgenden Oriental Metallern brach für mich hier leider ein wenig die Stimmung ein.

Und wie bereits eben erwähnt, betraten anschließend ORPHANED LAND die Bühne. Death und Doom Metal-Elemente, gemischt mit orientalischen Folk-Klängen, boten nun eine härtere und auch ausgefallenere Art der Musik. "All Is One", "Barakah", "Brother", "Norra el Norra /Entering The Ark" gingen durch den Gehörgang. Als besonderes Leckerli gab es bei diesem Gig auch noch Besuch von Blind Guardian-Gitarrist Marcus Siepen, der sich bereits in der Vergangenheit als Fan der Band bekannte. Zum Ende der Show teilte Sänger Kobi Farhi noch mit, dass die Bands im kommenden Jahr mit Blind Guardian auf Tour gehen wird. Darauf freuen wir uns doch jetzt schon!

Zu Kaffee und Kuchen wurde es dann noch eine Stufe härter und für die Nackenmuskulatur ansprechender. Die Finnen von INSOMNIUM ließen es ordentlich krachen! Mit ihrem typisch skandinavischem Melodic Death Metal ist diese Band zwar keine Seltenheit, dennoch konnten auch sie das Haar ordentlich in Wallung bringen! "While We Sleep", "Down With The Sun", "Through The Shadows" und "The Promethean Song" bildeten nur einen Teil der bereits 6 veröffentlichten Studioalben, von denen es hoffentlich in Zukunft noch viele weitere geben wird.

Seit 25 Jahren gibt es sie nun und ich vermute, an ein Aufhören ist im Hause MONSTER MAGNET noch lange nicht zu denken! Die Stonerrocker aus New Jersey veröffentlichte in ihrer Karriere bereits 13 Alben (letztes in 2013: "Last Patrol") und spielte unzählige Konzerte. Trotz diverser Besetzungswechel ist Frontmann Dave Wyndorf noch immer nicht müde auf der Bühne zu stehen. Die Band spielte Songs wie "Superjudge", "Twin Earth", "Tractor" und natürlich seinen Klassiker "Space Lord", der ja auch in jeder Disco rauf und runter lief und läuft. Mit nicht mehr ganz so viel Power wie in den frühen Jahren, boten die Amerikaner trotzdem eine gute Show.

Zeit zum Ausflippen!! ANNIHILATOR: Ja, wie geil ist das denn??? Jeff Waters und Co. stürmten euphorisch die Bühne und legten auch gleich mit "Smear Campaign" los. Direkt darauf folgte der Klassiker "King Of The Kill" und spätestens jetzt ging die Post ab! Ein Crowdsurfer nach dem anderen sprießte wie Pilze aus dem Boden und hielt die Security ordentlich beschäftigt. Nebst "Set The World On Fire" und natürlich "Allison Hell" erfreute die Band uns mit "I Am In Command" und: "Human Insecticide"!! Eine Setlist die kaum besser hätte sein können und ein ebenfalls mehr als gelungener Schluß eben dieser! So leicht kann Gitarrespielen aussehen, dabei prügelte Jeff Waters die Noten nur so runter. Manch einer wäre hier total außer Atem, aber nicht so der Könner: Gesungen werden muss ja auch noch. Für Jeff kein Problem! Und kurz darauf vermeldete die RHF-Crew via Facebook das SOLD OUT des Festivals!

Mittlerweile wurde die Stimme von TESLA-Sänger Jeff Keith doch etwas dünn. Doch man wird ja auch nicht jünger. Die 1984 gegründete Band veröffentlichte bisland 16 Platten und durchlebte alle Höhen und Tiefen die eine Band im Laufe von nun mehr 30 Jahren so haben kann.

Und trotzdem, oder gerade deswegen lieferten Sie eine gute Show ab. Mit im Repertoire hatten sie "I Wanna Live", "Mama's Fool", "The Way It Is", "Love Song", "Getting Better", oder auch "Cumin' Atcha". Für mich hier ebenfalls wieder eine "Fehlbesetzung" zwischen den Vorgängern und der anschließenden Band. So empfand es wohl auch ein Teil des Publikums, bei dem man fast die Befürchtung hatte, sie könnten dahin dösen. Musikalisch braucht man hier aber nicht zu streiten. Die Band kann was sie macht, aber in einem anderen Billing wären sie vermutlich besser weggekommen.

Zu TESTAMENT muss man ja eigentlich nicht mehr viel sagen. Chuck Billy weiß, wie er die Fans begeistert und so sah es eben auch dieses Mal wieder aus. Mit einer schon fast an Übertreibung grenzenden Pyro- und Lightshow überzeugten die, spontan für Megadeth eingesprungenen, Amerikaner abermals jeden Besucher des Festivals."More Than Meets The Eye", "Native Blood", "Dark Roots Of Earth" und "Practice What You Preach" dürfen mittlerweile ebenso wenig in einer Setliste fehlen, wie "D.N.R. (Do Not Resuscitate)" und "The Formation of Damnation". Immer wieder schießen Flammenspeere in die Luft und die Bands reißt einmal mehr ein absolut stimmungsvolles und überzeugendes Set runter. Viel Power, sitzende Riffs, sowie hämmernde Drums hüllen das Gelände des Amphitheaters in guten Trash Metal, der große Laune auf mehr macht!

 

Ein wiedermal rundum gelungenes Festival neigte sich somit dem Ende! Was im nächsten Jahr passieren wird, wird die Zeit zeigen. Man munkelte bereits, ob dies das letzte Rock Hard Festival gewesen sei.

Das dem aber nicht so ist, beweist die bereits erste Bandbestätigung für 2015: OVERKILL werden sich die Ehre geben! Ob, oder wie viel, sich nach dem Redaktionssplit ändern wird, sieht man dann im laufe der Zeit. Eines ist jedochgewiß: Metal never dies!

(Sarah Jacob)