Im Portrait: NEVERLAND IN ASHES

Im Jahr 2007 erblickte in Köln eine neue Band das Licht der Welt. So weit, so gewöhnlich. Milan Steinbach und Christian Sticher gründeten NEVERLAND IN ASHES - eine Metalband der härteren Gangart. Wie kam es zu dem Namen, der ja in gewisser Weise die Zerstörung einer Traumwelt widerspiegelt? Dazu hat Gitarrist und "Band-Papi" Milan folgendes gesagt: "Unser erster Sänger hat diesen Namen schon ewig mit sich rumgeschleppt und nach div. Bandprojekten haben wir beschlossen ein eigenes Ding zu machen. Der Hintergrund davon ist ja eigentlich, das 'Neverland' so diese heile Kinderwelt ist (ausgenommen Captain Hook) wo einfach alles perfekt ist und man ewig Kind ist. Wenn man älter wird, fällt das alles so ein bisschen in sich zusammen irgendwann. Man sieht dann halt, dass hinter dem schönen Schein doch nicht alles so toll ist, wie man vielleicht denkt." Passt also auch perfekt zur Musik, die ja seit Anbeginn der Band ohne Chichi, Schnörkel, oder Glitzer daherkommt.

Da ich noch nie ein Fan von Genre-Schubladen war sei gesagt, dass der Stil von NEVERLAND IN ASHES durch aggressive Screams/Shouts geprägt wurde, die sich mit gefühlvollen Cleanvocals abwechseln. Eher schnelle Tempi, die trotzdem melodisch sind und unter denen sich hier und da ein Synthi versteckt, machen die Songs in Gänze rund und harmonisch. All das veröffentlichte das Quartett auf der Debütscheibe "8:16" (2010) und deren Nachfolger "Earth:June" (2011).

 

Wie es immer so ist, gibt es gerade in den Anfangszeiten einer Band den ein oder anderen Besetzungswechsel. So stand Drummer Julian Jung von den Sticks auf und ging an die Saiten der Gitarre. Als Sänger Christian Sticher im Juli 2012 seinen Hut nahm musste ein neuer Shouter her. Wo und wie findet man aber die passende Persönlichkeit?

2013 und 2014 spielten NEVERLAND IN ASHES keine Gigs, sondern konzentrierten sich auf das Lineup und die Zukunft der Band. Dazu hat Milan erzählt, dass sie sich zwei Leute für die Position des Frontmanns angeguckt haben. Einer davon spielte auch ein paar Shows mit, man merkte dann aber schnell, dass es nicht passte und die Band überlegte, ob man dieses Problem nicht intern lösen könne. Und siehe da, des Rätsels Lösung liegt manchmal so unglaublich nah. Klampfer Julian Jung entdeckte den brüllenden Löwen in sich und übernahm fortan auch die Vocals. Erst Drums, dann Gitarre und nun Mikro. Das sind ja schon große Unterschiede. Wie kam es dazu, dass er dieses Talent der Rampensau und des Shoutens in sich entdeckt und dann den Beschluss gefasst hat, den Part zu übernehmen? Dazu hat er sich wie folgt geäußert:

"Alles was Musik angeht wollte ich schon immer können und machen. Und da bin ich einfach scheisse ehrgeizig. Ob Schlagzeug, Klavier, Gitarre oder auch das singen und shouten. Ich hab's so lange versucht, bis ich das Gefühl hatte die richtige Technik gefunden zu haben. Und dann habe ich mir anschließend professionelle Hilfe geholt um wirklich gut darin zu sein und nicht nach 30min schlapp zu sein. Den Rest macht dann Übung und Routine."

 

Von Verzweiflung und/oder Trennungsgedanken keine Spur, NEVERLAND IN ASHES konnten sich also an das Schreiben neuer Songs machen, die nun auf das Talent von Julian abgestimmt sind. Auch live konnte den Kölnern offensichtlich nichts besseres passieren. Rampensau Julian merkte schnell, dass Vocals UND Gitarre irgendwie doof ist, also musste wieder eine Lösung her. Diese kam im Person von John Marynczak, welcher die Gitarre übernahm und so kann Julian sich seither vollends auf das Entertainment konzentrieren. "Das Rampensauding, wie du es nennen magst, ist einfach in einem drin oder auch nicht. Sowas kann man auch nicht lernen. Deswegen sollten Sänger wohl extrovertiert sein. Ich habe auch keine Probleme damit, auf Leute zuzugehen oder in Gespräche zu verwickeln. So ist es aber mit allen Künstlern die auf der Bühne etwas abliefern. Vom Comedian, über einen Moderator bis hin zum Sänger. Ist alles nur die Frage wie und in welchem Rahmen man die Leute mitreißt." Lasst euch gesagt sein: es lohnt sich die Konzerte zu besuchen! Die gesamte Band legt jedes Mal auf's Neue eine bombige Show auf der Bühne hin. Hier kann sich so manch großer Act noch etwas abgucken. Entertainment pur.

Frisch gestärkt und voller Tatendrang entstand so im Frühjahr 2017 der nächste Longplayer "Conversations", der von alten und neuen Fans mit Begeisterung angenommen und geliebt wird. Aufgenommen wurde das Album in den Pitchback Studios, wo Aljoscha Sieg das Mixing und Mastering übernahm. Durch diesen sehr viel professionelleren und frischeren Sound, zeigte die Band der Welt was in ihr steckt und kitzelte alles aus den einzelnen Mitgliedern heraus, was ging.

Mit "Conversations" konnten NEVERLAND IN ASHES bereits mit Bands wie Our Last Night, Unearth, oder auch Walking Dead On Broadway auf der Bühne stehen. Viele Konzerte europaweit halfen der Band dabei ihre Fanbase zu erweitern und auch im Fokus der Medien zu landen.

 

Seit 2018 hat sich die Band wieder im Studio versammelt um das nächste masterpiece an den Fan zu bringen. Hierbei werden sie von niemandem geringeren als Mark Görtz (Caliban) und Sebastian "Sushi" Biesler (Eskimo Callboy) unterstützt. Man kann also von einem noch besseren Werk ausgehen, als es "Conversations" schon war, bzw. ist. Einen ersten Eindruck bekam man bereits am 05.04.2019 durch die erste Single "Cross My Heart", zu der NEVERLAND IN ASHES auch ein Musikvideo veröffentlichten. Weitere Videos wurden ebenfalls bereits gedreht, bzw. befinden sich in der Fertigstellung. Auf den letzten Konzerten konnte man sich auch schon von vier neuen Songs überzeugen und ich muss sagen, dass ich das kommende Release kaum abwarten kann. Ich bin mir sehr sicher, dass wir von NEVERLAND IN ASHES noch sehr viel hören und sehen werden, worauf ich mich jetzt schon ganz besonders freue und den Jungs natürlich die Daumen drücke und mega viel (verdienten) Erfolg für die Zukunft wünsche!

(Sarah Jacob)

Lineup:

Julian Jung - Vocals

Milan Steinbach - Gitarre/Synths

John Marynczak - Gitarre

Tobias Welschenbach - Bass

Mario Althapp - Drums

 

Releases:

2010 - 8:10

2011 - Earth:June

2017 - Conversations

 

Dates:

01.11.2019 - Hamburg, Astra Stube

15.11.2019 - Oberhausen, Helvete

06.12.2019 - Wiesbaden, Krativfabrik (als Support von The Tex Avery Syndrome)

07.12.2019 - Ebersbach, Rock in Weiler