Gegen die Kategorisierung: TRAILER PARK SEX im Porträt

Immer wieder formieren sich Bands in den Untergrundszenen dieser Welt. Doch wo trennt sich die Spreu vom Weizen? Fangen wir mal in Hamburg St. Pauli an. Dort musizieren derzeit Juan, Lea, Roman und Emily in der Post-Hardcore und Metalcore Combo TRAILER PARK SEX. Die Hamburger sind hungrig auf mehr und sie haben das nötige Potential.

 

Alles begann 2009 in einem Instrumentenladen in Hamburg. Dort lernten sich die beiden Köpfe der Band Juan Gracia (Gesang, Gitarre) und Lea Swetlana (Schlagzeug) kennen. Die beiden starteten als Duo und nahmen im Alleingang die erste EP „Now or fucking Never“ auf, welche 2010 erschien. Im Anschluss suchte das Duett weitere Musiker. „So stießen wir auf Roman. Emily haben wir durch ihren Tattoo Laden in Lübeck kennengelernt“, berichtet Juan Metalmieze.de im Interview. Doch vollständig ist die Band noch nicht: „Aktuell sind wir die genannten vier aber wir spielen gerne mit zwei oder mehr Gitarren deswegen suchen wir noch nach einem fünften Mitglied, dadurch dass Roman und ich auch beide Gitarristen sind. Die fünfte Person kann ein Sänger, Gitarrist oder Bassist sein, dann würden wir gegebenenfalls rotieren. Die Fluktuation kommt daher dass TPS sehr viel Zeit und Arbeit konsumiert und manche Ex­TPSer könnten diese Arbeitspensum in deren Alltag schlicht und ergreifend nicht mehr unterbringen konnten, weil sie andere Prioritäten gesetzt haben“, erklärt Juan weiter auf die Frage nach dem häufigen Personalwechsel.

Die musikalischen Inspirationsquellen der Band sind vielfältig: “Am nachhaltigsten inspirierte mich persönlich Incubus und Glassjaw, Lea wahrscheinlich Korn und Slipknot und Roman No Means No und Horse the Band. Bei Emily bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher. Kollektiv mögen wir Rage Against The Machine, Norma Jean, Lamb Of God, Animals As Leaders und Deftones, wenn man von unserem Tourbus-Soundtrack ausgehen darf.“, berichtet Juan weiter.

 

Do it yourself oder was?

 

Vielleicht sind deswegen TRAILER PARK SEX ein vehementer Verfechter der DIY-Bewegung (Do it Yourself). Gerade bei dem ersten Studioalbum „Struggle“, welches 2013 erschien, zeichnen sich die unterschiedlichen Stilrichtungen ab. So etablieren die Hamburger Musiker auf dieser Platte ein gelungenes Gemisch aus Metalcore-, Hardcore- und Wall of Sound-Elementen bis hin zu Motiven aus der Grunge- und Alternative-Szene. Ein Grund nachzufragen in welcher Sparte sich TPS selbst wiederfinden.

 

Metalmieze: Euer erstes Album „Struggle“ weist neben Metalcore und Death Metal Elementen auch einige Wall of Sound Eigenschaften a là „Aereogramme“, „65daysofstatic“ oder „This will destroy you“ auf. Auffällig ist das vor allem bei „Galaxies In A Cat Food Can“. Man möge meinen, Ihr wollt Euch keiner bestimmten Musikrichtung zuschreiben lassen. Wie würdet Ihr selbst Euren Musikstil beschreiben?

Juan: „Ich glaube keiner von uns kennt diese drei genannten Bands. Das geht uns oft so, wenn Leute uns vergleichen. Manche Namen hört man öfters, manche weniger. Bisher hat jeder Zuhörer mindestens einen neuen Namen auf „die Liste“ gebracht. Das erklärt sich damit gut, dass wir in der Tat einfach nur Musik machen, Musik die aus ehrlichen Inspirationsmomenten oder harter Arbeit entspringt. Manche Songs hört man im Kopf, manche muss man aus dem Kopf raus prügeln. Manchmal ist es relativ problematisch vielschichtige Musik zu machen, aber wir glauben dass jeder Release einen Teil mehr davon aufdeckt, was wir künstlerisch als Band zu bieten haben. Musikwissenschaftlich gesehen spielen wir sicherlich großenteils Post-Hardcore. Aber danach ist die Zutatenliste lang: Alternative, Jazz, Funk, Mathcore, Groove, Metal, Djent und einiges mehr. Wir lassen so was einfach passieren, wir zensieren uns nicht.“


Schwitzend im Meer des Momentes


Und das dies funktioniert, zeigt sich live. TRAILER PARK SEX schaffen es auf der Bühne zu brillieren und das Publikum in den Bann zu ziehen. Zunächst liegt dies an der charismatischen Präsenz von Juan Gracia, der bei jeder Performance mehr schwitzt als alle im Publikum und es scheint, als würde dieser nur für den Moment leben. Gleiches gilt für die elfenhafte Drummerin Lea Swetlana, welche ihr Schlagzeug mehr schlägt als ein Fleischer ein Stück Schinken und einige alteingesessen Metal-Schlagzeuger den Mund offen stehen lässt. (Anmerkung der Redaktion: Ja liebe Männer, auch Frauen können dieses Instrument perfekt beherrschen!; besuchtes Konzert 2013 Potse, Berlin) Zudem harmonieren Trailer Park Sex auf der Bühne miteinander, egal in welcher Konstellation sie dem Publikum gerade einheizen. Daher gibt es keinen Grund sich zu wundern, dass die Band bereits über hundert Konzerte innerhalb Europas, als auch in Süd- und Nordarmerika gab. Vor allem die Konzerte in Südamerika blieben TRAILER PARK SEX auf die Nachfrage ihres schönsten Konzertes in Erinnerung, erklärt der gebürtige Argentinier Juan: „Buenos Aires, Montevideo und Easton (Pennsylvania) waren sicherlich mit die schönsten Konzerte. In Südamerika, dreht das Publikum durch, die gesamte Tour war für uns ein riesiges Gefühl, wir sind Tausend und Drei Risiken eingegangen und alles lief wie geschmiert. Wir haben einen großen Teil der Erde in kurze Zeit als Band bereist und das ist für uns ganz simpel erklärt, das Beste was das Leben zu bieten hat.“

Metalmieze: Ihr tourt viel in Südamerika. Gibt es Unterschiede zwischen Europa und Südamerika beim Publikum? Können wir auch bald mit einem spanischen Songtext rechnen?

Juan: Wir haben viele Fans in Mittel- und Südamerika. Es ist für uns nicht einfach dahin zu kommen, denn die Kosten sind immer enorm. Tatsächlich ist es die Fankultur in Mittel-und Südamerika anders, die Leute schreiben die Nacht für das Konzert ab, genießen es in vollen Zügen und geben einfach alles in jeder Hinsicht. Hier sind Konzerte in großen Städten ein Beiwerk geworden, danach ist immer Disco. Die Bands und das Publikum werden immer vor Mitternacht freundlich raus gebeten. Es ist schwer hier ein Atmosphäre zu schaffen, wie es da drüben der Fall ist. In Südamerika hat man nie vor Mitternacht gespielt und in Buenos Aires haben wir sogar um 4 Uhr morgens angefangen. Texte auf Spanisch haben wir bereits, auf die erste Scheibe „Now Or Fucking Never“ findet man „Tu corbata no me engaña“. Wir haben das aber gelassen, weil Englisch wohl hier in Europa immer noch am gängigsten ist. Hier und da gibt es aber Passagen auf spanisch und italienisch immer noch, allerdings etwas versteckter.

 

Neues Album und Tourcheck

 

Aktuell sind Trailer Park Sex wieder auf Tour in Deutschland, Südamerika und Australien. Zudem basteln die Hamburger gerade an dem neuen Album „From Below“, welches großartiges verspricht. Auf dem Youtube-Channel der Band kann man sich schon einige Sachen anhören. Ein Releasedatum für die neue Platte gibt es noch nicht. „Ursprünglich war „From Below“ bereits für Januar gedacht, allerdings als Vier-Song- EP. Mittlerweile haben wir mehr als doppelt so viele Tracks aufgenommen. Wenn wir aus Australien im Mai zurückkommen, werden wir wohl „From Below“ als LP releasen. Ich denke in Hochsommer ist mit der Platte zu rechnen. "From Below" ist ziemlich anders als alles zuvor, alleine dadurch dass wir achtsaitige Gitarren benutzen und vom Grundton her um einiges tiefer sind als zuvor. Stilistisch bekommt es dadurch einen Djent Touch. Dazu kommt, dass auf diesen Gitarren manche Songs nur mit Clean-Gesang bestückt sind und das hört sich für uns ein wenig nach Deftones an und geht mehr in die Alternative-Metal-Richtung, wenn ich nicht ganz falsch liege.“

 

Der Tourübergang von der „Struggle“ zur „From Below“-Tour wird nach Juan ein fließender sein: „Es gibt für uns immer nur das eine Ziel was Touren angeht: wir wollen so viele Konzerte wie möglich in möglichst vielen Ländern spielen. Das bereitet uns am meisten Freude. Dadurch dass wir eigentlich ständig am Schreiben und Aufnehmen sind, so wie auch live spielen, sind für uns Platten und Touren wie Fotos, die nur einen Augenblick beschreiben. Mit dieser Arbeitsweise ist es schwer einzuschätzen, welches Konzert das letzte „Struggle“ Konzert war und welches dann das erste für „From Below“ wird. Für uns ist das Wichtige immer in Action zu bleiben!"

 

Das die Hamburger das Potential zu Größerem haben, ist zudem schon lange kein Geheimnis mehr. So erhielt die Band im Jahr 2013 für ihre CD-Produktionen Geld der Wacken-Foundation.

Wer also Bock hat auf Metalcore und Hardcore der besonderen Art und Weise zu erleben, sollte auf der Facebookseite der Band die Tourdaten checken. Live sind Trailer Park Sex nämlich noch besser als auf Platte. Jedoch sollte man sich auf den außergewöhnlichen Stil der Band einlassen. Denn eines steht fest: von Musik berieseln lassen ist hier nicht!


Encore:

Metalmieze: Welche Platten dürfen Eurer Meinung nach in keinem Regal fehlen?

Trailer Park Sex:

Animals As Leaders - Animals as Leaders

Twelve Foot Ninja - Silent Machine The Safety Fire – Grind The Ocean

Miles Davis - Kind Of Blue

Rage Against The Machine ­ - Rage Against The Machine

Deftones - White Pony

Incubus - Make yourself

Bob Marley - Catch A Fire

Yes - Close To The Edge

Led Zeppelin - Houses Of The Holy

(Antje Ritter)